Pistorius war wohl früh über Übergriffe informiert

Sexuelle Übergriffe bei der Bundeswehr

Vorwürfe belasten Pistorius und Breuer

09.01.2026 – 14:05 UhrLesedauer: 2 Min.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) mit General Carsten Breuer (r.). (Quelle: IMAGO/Thomas Imo/photothek.net)

Die sexuellen Übergriffe bei der Bundeswehr könnten auch für Pistorius zum Problem werden. Der Minister war wohl früher informiert als bekannt.

In der Affäre um sexuelle Übergriffe und rechtsextremistische Umtriebe bei der Bundeswehr-Fallschirmjägertruppe in Zweibrücken gerät auch das Krisenmanagement von Verteidigungsminister Boris Pistorius in die Kritik. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ war Pistorius spätestens im Juli vergangenen Jahres über die Verfehlungen bei der Luftlandebrigade 1 informiert. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe Ende vergangenen Jahres hatte Pistorius noch überrascht erklärt: „Die gemeldeten Fälle von Rechtsextremismus, sexuellem Fehlverhalten und Drogenkonsum in Zweibrücken sind erschütternd.“

Recherchen des „Pfälzischen Merkur“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatten den Skandal bei der Bundeswehr ans Licht gebracht. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Die Bundeswehr leitete gegen 19 Beschuldigte ein Verfahren zur Entlassung aus dem Dienst ein, drei Soldaten musste die Truppe bereits verlassen.

Demnach war es zu sexuellen Übergriffen und Mobbing gegen weibliche Soldaten gekommen. Auch über rechtsextremistische Umtriebe und Kokain-Konsum wird berichtet.

Laut „Spiegel“ hatten sich Soldatinnen der Luftlandebrigade 1 schon im Oktober 2024 der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl (SPD) offenbart. „Mir wurde schnell klar, hier stimmt etwas nicht“, sagte Högl dem Magazin.

Im Februar 2025 konkretisierten sich die Vorwürfe. Laut Spiegel schicken Soldatinnen ihren Missstandsbericht im Juni 2025 auch an das Verteidigungsministerium und Generalinspekteur Carsten Breuer. Spätestens im Juli, so das Magazin, soll auch Pistorius unterrichtet gewesen sein.

Das zögerliche Vorgehen der Spitze von Ministerium und Truppe sorgt auch in der Bundeswehr für Unmut. „Zögerliches Nachgehen und Ahnden von Dienstvergehen führte zu dem Eindruck, dass Fehlverhalten keine Konsequenzen habe“, heißt es in einem Bericht des Heereskommandos.

Die Bundeswehr hat inzwischen mit mehreren Umbesetzungen auf den Skandal in Zweibrücken reagiert. Der Standort nahe Saarbrücken war schon mehrfach in Verruf geraten. So wurden 2006 sexuelle Initiationsriten bekannt. Auch damals gab es Versetzungen, nachdem öffentlich geworden war, dass Soldaten gegen ihren Willen Dörrobst ins Gesäß eingeführt worden war.

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