
Zahlreiche deutsche Athleten haben das Spektakel des DSV-Adlers live miterlebt. Bereits im ersten Lauf wurde er unter anderem von Skispringerin und Fahnenträgerin Katharina Schmid, Bob-Anschieber Joshua Tasche, Skisprung-Ass Selina Freitag oder auch Langläuferin Coletta Rydzek angefeuert. Als Raimund sich energisch vom Schanzentisch entfernte, unterstützten die Team-D-Sportler ihn lautstark. Sie jubelten über das Ergebnis von 102 Metern bei schlechten Windverhältnissen.
Auch den zweiten Durchgang meisterte Raimund mit Bravour und hielt dem Druck stand. 106,5 Meter reichten für olympische Gold. Auch, weil favorisierte Leistungsträger wie der Slowene Domen Prevc oder der Norweger Marius Lindvik, der noch im Training eine Topform präsentierte, bereits nach dem ersten Durchgang zu weit von den Medaillenplätzen entfernt waren. Sie steigerten sich zwar beide im zweiten Durchgang, doch es reichte nicht zu Edelmetall. Dafür sicherte sich der Pole Kacper Tomasiak den zweiten Platz und ein geteilter dritter Rang ging an den Japaner Ren Nikaido sowie den Schweizer Gregor Deschwanden.
Alle drei freuten sich mit Raimund und schüttelten ihm die Hand, als dieser um 21.23 Uhr die oberste Stufe des Podiums bei der Siegerehrung erklomm und einen euphorischen Sprung gen Himmel machte. Dann schaute er auf seine Medaille und schüttelte leicht den Kopf. Im Hintergrund schallte es „Philipp, Philipp“ von den deutschen Athleten dazu.
In der Mixed Zone sagte Raimund t-online zudem, dass er sich nur „Jaaaaaa, jaaaaaa“ gedacht habe, als die Anzeigetafel ihn als Sieger ausgewiesen hatte. Raimund betonte, dass er es dank seiner Familie und seiner Freundin geschafft habe, seine Energie zu bündeln. Auch die Trainer und Teammitarbeiter hätten dazu beigetragen, dass er sich fokussieren konnte. „Die wussten genau, wenn ich ruhig bin, wenn ich locker bin, dann funktioniert das Ding“, so der Sieger weiter: „Letztendlich hat es mit denen zusammen zum Erfolg geführt.“
Einer, der genau wusste, was in Raimund vor sich ging, war Andreas Wellinger. Der Olympiasieger von 2018 sagte über „Hille“, so sein Spitzname, zu t-online: „Er hat beide Sprünge mit einer sauberen Landung runtergesetzt. Dass er den Sprung im Zweiten auch so herunterbringt, das musst du erstmal machen. Ich habe in der Kabine schon gemerkt, dass er deutlich angespannter ist als sonst.“
Wellinger führte aus: „Es ist echt ein Traum, was er heute abgeliefert hat. Das hat er sich die letzten Tage hier auf der Schanze erarbeitet, aber auch vor allem die letzten Monate. Er hat das nicht durch Zufall in den Schoß gelegt gekriegt, sondern das hat er sich erarbeitet.“ Zudem meinte Wellinger über die Besonderheit von Olympia: „Da geht gerade so einiges in ihm ab. Es ist was, was in deinem Leben nicht so oft passiert. Und wenn es passiert, egal wie gut du dich darauf vorbereitet hast oder glaubst du bist der Beste, es überkommt dich trotzdem. Das merkt man ihm an.“ Es würde dauern, bis Raimund in der Lage sei, das aufzusaugen.