
Holocaust-Gedenken
Papiere der Vernichtung – Mit einer Überlebenden im Archiv
Aktualisiert am 28.01.2026 – 04:45 UhrLesedauer: 3 Min.
Anlässlich des Holocaust-Gedenktages spricht sie als Überlebende von Auschwitz im Bundestag. Doch vorher besucht die 87-jährige Tova Friedman in Berlin noch einen besonderen Ort.
Auch heute noch, auf den Tag genau 81 Jahre nach ihrer Befreiung aus dem KZ, graust es Tova Friedman, wenn sie solche in kalter, deutscher Bürokratensprache abgefassten Dokumente in den Händen hält. Unterlagen, die Einblick gewähren in die organisierte Ermordung der Juden durch die Nazis. „So viele Papiere“, sagt die 87-jährige Holocaust-Überlebende, als sie der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann, durch die von nummerierten Kisten gesäumten Räume seiner Behörde führt.
Ein Dokument, das beide an diesem kalten Januartag gemeinsam anschauen, ist ein als „geheim“ eingestufter „Schnellbrief“ aus dem Februar 1943 mit dem Betreff „Abbeförderung von Juden aus Theresienstadt“. In dem Schreiben, das heute im Bundesarchiv lagert, wurde einst um eine Genehmigung gebeten, um „zunächst 5.000 über 60 Jahre alte Juden“ ins Vernichtungslager Auschwitz zu bringen.
Die US-Amerikanerin Tova Friedman wurde 1938 als Tola Grossman in Gdingen unweit von Danzig geboren. Die Nationalsozialisten deportierten sie als Fünfjährige in das deutsche Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen. Sie und ihre Mutter überlebten Auschwitz. Ihr Vater wurde von Auschwitz in das KZ Dachau verschleppt und überlebte ebenfalls. In Berlin kamen die drei nach dem Krieg in einem Übergangslager wieder zusammen, bevor die Familie später in die USA auswanderte.
Ein Papier, das ihr Hollmann zeigt, beschäftigt die Zeitzeugin bei ihrem Besuch im Bundesarchiv besonders. Es ist die Personalkarteikarte eines SS-Hauptscharführers, der ab September 1942 in der Häftlingsverwaltung des Konzentrationslagers Auschwitz beschäftigt war.
Daraus geht hervor, dass der Mann aus Ansbach in Mittelfranken im Juni 1932 als 20-Jähriger in die Partei – gemeint ist die NSDAP – eintrat und ursprünglich Maler war. „Können Sie die Familien ausfindig machen und ihnen das zuschicken?“, fragt die Besucherin. Sie selbst wäre bereit, diese Menschen zu finden und sie in ihrem Zuhause aufzusuchen. Es sei doch wichtig, dass die Nachkommen dieses Mannes und auch die anderer Nazi-Verbrecher wüssten, was ihre Vorfahren damals getan haben.