
Auswertung von Fällen
Warum ostdeutsche Autofahrer häufiger Verkehrsverstöße melden
28.11.2025 – 10:33 UhrLesedauer: 3 Min.
Tempo, Rotlicht, Parken: Eine Analyse zeigt, wann und wo Autofahrer besonders oft erwischt werden – und was in Ostdeutschland auffällt.
Deutschlands Verkehrsrechtler müssen sich häufig mit ganz praktischen Fragen beschäftigen: Wer ist wie schnell gefahren, wer stand wo falsch und wer hat wann die rote Ampel übersehen? Die Verbraucherrechtskanzlei Rightmart hat jetzt Daten aus rund 390.000 Verkehrsrechtsanfragen ausgewertet, die im vergangenen Jahr eingelaufen sind. Sie sind statistisch nicht repräsentativ, schließlich spiegeln sie nicht die tatsächliche Verteilung aller Verkehrsverstöße in Deutschland wider. Sie zeigen lediglich, welche Fälle bei der Kanzlei gelandet sind.
Aufschlussreich sind die Daten dennoch: Die Analyse zeigt, wo der Gasfuß besonders locker sitzt, welche Unterschiede es zwischen Männern und Frauen gibt und in welchen Städten und Regionen Autofahrer besonders häufig Ärger bekommen. Um regionale Verzerrungen etwas auszugleichen, hat die Kanzlei zusätzlich Quoten berechnet, die die Fallzahlen in Relation zur Einwohnerzahl der Bundesländer setzen.
Männer sind in den Fällen deutlich häufiger vertreten: 78 Prozent aller erfassten Verkehrsverstöße gehen auf ihr Konto. Frauen sind mit 22 Prozent vertreten. Rechtsanwalt Dr. Philipp Hammerich von Rightmart erklärt: „Zum einen sind mehr Fahrzeuge auf Männer zugelassen. Zum anderen beobachten wir, dass Männer eher bereit sind, sich rechtliche Hilfe zu suchen und für ihr Recht zu kämpfen.“
Beim Tempo liegen beide Geschlechter gleichauf: In der Kategorie 21 bis 25 km/h zu schnell sind Männer wie Frauen jeweils mit 22 Prozent vertreten. Bei anderen Delikten unterscheiden sich die Muster: Frauen fahren etwas häufiger über rote Ampeln (9 Prozent der Fälle, bei Männern 6 Prozent) und verursachen mehr Parkverstöße (3 Prozent gegenüber 2 Prozent). Alkohol-, Drogen- oder Handyverstöße sind dagegen nahezu gleich verteilt.
Im Frühjahr wird besonders oft zu schnell gefahren – rund 28 Prozent der Tempoverstöße entfallen auf die Monate März bis Mai. Danach folgen der Winter (25 Prozent), der Sommer (24 Prozent) und der Herbst (23 Prozent).
Die Erklärung liegt laut Rightmart nahe: Nach den dunklen Monaten steigen Fahrfreude und Aktivität – und offenbar auch die Risikobereitschaft. Geblitzt werden die Betroffenen vor allem außerorts: 59 Prozent der Verstöße werden auf Landstraßen oder Autobahnen registriert, 41 Prozent innerhalb geschlossener Ortschaften.
Beim Blick auf die Delikttypen zeigt sich: Besonders häufig wandten sich Klienten wegen Geschwindigkeitsübertretungen von 16 bis 20 km/h an die Juristen – ein Bereich, in dem Bußgelder zwar spürbar, aber Fahrverbote meist noch vermeidbar sind. Auch das könnte ein Grund dafür sein, warum viele Betroffene rechtliche Hilfe suchen. Unterhalb dieser Schwelle – also bei weniger als 16 km/h – ist die Einspruchsbereitschaft deutlich geringer: Nur 15 Prozent der Fälle landen dann überhaupt bei der Kanzlei.
Die Auswertung zeigt auch klare regionale Unterschiede. Vor allem in ostdeutschen Bundesländern ist die relative Zahl der Anfragen hoch. Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern führen das Ranking an.