
Ordnungsamt greift ein
Empörung im Karneval: Sitzung abgebrochen
15.02.2026 – 16:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Eklat in Wesseling-Berzdorf: Vier Ordnungshüter stürmen eine Karnevalsfeier und drehen die Musik ab. Eine Politikerin kritisiert den Vorgang.
Mitten im Gardetanz war Schluss: Vier Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts haben am Freitagabend bei der Jubiläumsfeier einer Karnevalsgesellschaft in Wesseling-Berzdorf kurzerhand die Musik abgedreht – während die Tänzerinnen noch auf der Bühne standen. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und das Portal „Koeln0221“ hatten über den Vorfall am Wochenende berichtet.
Demnach waren die vier Ordnungsamt-Mitarbeiter um 22.10 Uhr über die Tanzfläche im Festzelt hinter der Gaststätte „Op de Eck“ gegangen – und hatten die Elektrik der Veranstaltung abgeschaltet. Schlagartig sei es daraufhin still geworden in dem Festzelt, heißt es in den Berichten. Die Begründung des Ordnungsamts: Nach 22 Uhr sei keine laute Musik im Zelt erlaubt.
Getroffen hat es die „Löstige Knolleplänzche von 1938 Berzdorf“, die an diesem Abend ihr 88-jähriges Bestehen feierten. „Natürlich ist es in Ordnung, wenn das Ordnungsamt mahnt – und dann auch den Strom abdreht“, sagt Vorsitzende Karina Keller am Samstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dafür habe sie Verständnis. „Aber die Vertreter des Ordnungsamtes haben direkt gehandelt. Sie hätten doch wenigstens warten können, bis die Mädchen ihren Tanz beendet hatten.“
Keller räumt ein, dass die Sondergenehmigung für die Musikveranstaltung nach 22 Uhr im Festzelt fehlte. Die gebe es auch für alle restlichen Karnevalstage nicht – auch nicht für Rosenmontag, wenn in Berzdorf der Zug geht und danach im Festzelt gefeiert wird. Die Gründe dafür sollen nach Karneval intern und mit der Stadt geklärt werden.
„Man hätte mit mehr Fingerspitzengefühl in diesen Einsatz gehen müssen“, kritisiert die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Engels-Welter (CDU) im „Kölner Stadt-Anzeiger“ den Vorgang. Sie war nach Berzdorf gefahren, um den Knolleplänzche zum Jubiläum zu gratulieren, und dachte zuerst an einen üblen Scherz, als die vier Ordnungshüter den Stecker mitten im Tanz zogen. Sie hält es für möglich, dass Nachbarn das Ordnungsamt alarmiert hatten.
Ein Verantwortlicher der KG sagte dem Portal „Koeln0221“ am Sonntag: „Der Vorfall war symbolisch für das, was gerade im Ehrenamt abgeht. Wir schaffen uns und unseren Brauchtum selber ab.“ Dem Bericht zufolge reagierten die Wesselinger Jecken mit kölscher Lebensfreude schließlich auf den Einsatz des Ordnungsamts. Der KG-Verantwortliche wird in dem Bericht mit den Worten zitiert: „Aus einem Tanzauftritt wurde spontan der wohl größte Chor, den Berzdorf je gesehen hat. Gemeinsam mit dem gesamten Zelt sangen wir Lieder wie „Veedel“, „Heidewitzka“ und viele weitere Klassiker. Die Stimmung? Positiv am Beben.“