Lizenziert oder privat

In einer Touristenmetropole streiten die Stadtführer


03.07.2026 – 14:33 UhrLesedauer: 2 Min.

Piazza Santo Stefano in Bologna: Eine Touristengruppe erkundet den berühmten Platz mit romanischen und gotischen Gebäuden. (Quelle: Alberto Masnovo)

In Italien benötigen Stadtführer eine staatliche Lizenz, um ihren Beruf ausüben zu können. Immer mehr Tourguides haben aber keine – und ziehen sich die Wut der Offiziellen zu.

Offizielle Stadtführer im italienischen Bologna beklagen unlauteren Wettbewerb. Nach ihren Angaben bieten immer mehr Menschen ohne die vorgeschriebene Lizenz Stadtführungen an und verursachen damit ein Preisdumping und einen Qualitätsverfall. Besonders betroffen seien Touren durch die Altstadt und kulinarische Rundgänge für ausländische Besucher. Das berichtet die örtliche Tageszeitung „Il Resto Del Carlino“.

Nach italienischem Recht dürfen Stadtführungen nur von Personen angeboten werden, die eine staatliche Prüfung bestanden und eine entsprechende Lizenz erhalten haben. Laut der örtlichen, lizenzierten Fremdenführer Andrea Moretti und Nathalie Zaveroni wird diese Regel aber zunehmend missachtet.

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Führungen mit Restaurantbesuch

„Zwischen 9.30 und 10 Uhr treffen sich die illegalen Anbieter rund um den Neptunbrunnen. Die Situation ist völlig außer Kontrolle“, sagte Moretti der Zeitung. Seiner Schätzung nach sind täglich mindestens 20 bis 25 Personen ohne Zulassung als Stadtführer in Bologna tätig.

Bei den Betroffenen handele es sich häufig um Reisebegleiter. Deren Aufgabe bestehe eigentlich darin, Touristengruppen organisatorisch zu begleiten. Tatsächlich würden viele jedoch ausführlich die Geschichte der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten erläutern und damit Tätigkeiten übernehmen, die ausgebildeten Stadtführern vorbehalten seien. Besonders häufig geschehe dies bei Führungen auf Englisch oder Spanisch sowie bei sogenannten Food-Touren. Hier würden Touristen als Teil der Tour in Lokale gelockt. Es bestehe der Verdacht, dass die Führer von den Restaurants dafür bezahlt werden.

„Viele Gäste kennen den Unterschied gar nicht“, sagt Moretti. Seine Kollegin Zaveroni weist darauf hin, dass auch kulinarische Stadtführungen unter die Tätigkeit lizenzierter Fremdenführer fielen. „Unsere Esskultur ist Teil unseres kulturellen Erbes.“

Nach italienischem Recht drohen Personen, die ohne Zulassung Stadtführungen anbieten, Geldstrafen von bis zu 10.000 Euro. Auch Reiseveranstalter oder Plattformen, die solche Angebote vermitteln, können belangt werden. Die beiden Stadtführer kritisieren, dass es kaum Kontrollen gebe. Deshalb dokumentierten sie nach eigenen Angaben die Vorfälle inzwischen mit Fotos und Videos. Sie hätten die Stadtverwaltung mehrfach auf das Problem hingewiesen, sagten sie der Zeitung. Kommunen und Ortspolizei seien aufgerufen, die geltenden Vorschriften konsequent durchzusetzen.

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