
Es geht um die Überwachungsvideos
Crans-Montana: Schwerer Verdacht kommt auf
Aktualisiert am 19.01.2026 – 13:26 UhrLesedauer: 2 Min.
40 Menschen sterben in der Silvesternacht in Crans-Montana. Eine Überwachungskamera filmt alles mit. Doch entscheidende Sequenzen fehlen offenbar.
Nach der tödlichen Feuerkatastrophe von Crans-Montana laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wallis: Jacques M., der Betreiber der Bar, wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Außerdem wertet die Staatsanwaltschaft Bilder der Überwachungskamera aus dem Inneren der Bar „Le Constellation“ aus. Doch laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung vom Montag fehlen die entscheidenden Minuten.
Laut den Recherchen liegen den Ermittlern die Videos aus der Kamera nur bis 1.23 Uhr vor. Drei Minuten später sei es dann zu dem tödlichen Brand gekommen. M. habe in einer ersten Vernehmung am Neujahrsmorgen behauptet: „Zu diesem Zeitpunkt hat sich das System aufgehängt. Ich kann es nicht mehr zurücksetzen.“ Der Polizei habe er Screenshots aus insgesamt elf Kameraeinstellungen vorgelegt. Auf den Fotos sei das spärlich besetzte Untergeschoss zu sehen – von einer sich anbahnenden Katastrophe keine Spur.
t-online hat die Staatsanwaltschaft Wallis um Stellungnahme zu dem Bericht gebeten. Allerdings beantworte man keinerlei individuelle Anfragen, teilte die Behörde mit. „Die nächsten Mitteilungen über das Drama in Crans-Montana werden ausschließlich in Form einer Pressemitteilung erfolgen.“
Bereits kurz nach dem Inferno in Crans-Montana hatte das Verhalten der Barbetreiber Fragen aufgeworfen: Im Laufe des Neujahrsmorgens verschwanden nach und nach alle Profile der Bar in den sozialen Medien und auf Google. Dass Jacques und Jessica M. die Profile selbst gelöscht haben, wiesen die Anwälte der beiden jüngst in einem Interview des Schweizer Rundfunks SRF zurück: „Die sozialen Netzwerke wurden nie gelöscht. Der Zugang wurde gesperrt, damit die Ermittlungen in aller Ruhe unter der Aufsicht der Justiz durchgeführt werden konnten“, sagte Verteidigerin Nicola Maier.
Jacques M. war in der vergangenen Woche in Untersuchungshaft genommen worden, zunächst für drei Monate. Für ihn und seine Frau gilt die Unschuldsvermutung. Nach bisherigen Ermittlungen wurde die Brandkatastrophe durch Funken sprühende Partyfontänen ausgelöst, die Schaumstoff an der Decke in Brand setzten. Wie die örtlichen Behörden einräumten, war die Bar zuletzt 2019 auf Brandschutzmaßnahmen untersucht worden, obwohl solche Kontrollen eigentlich jedes Jahr vorgeschrieben sind.