Militärische Konflikte sind für Anleger kurzfristig unschön. Langfristig jedoch ergeben sich fast immer Chancen.
Die Auswirkungen des militärischen Einsatzes der Amerikaner und Israels sowie der Antwort der Islamisten im Iran können Verbraucher in Deutschland wie fast in allen Teilen der Welt zuallererst an der eigenen Zapfsäule bemerken. Die Spritpreise steigen, da die Rohölpreise am Weltmarkt deutlich anziehen. Dies betrifft natürlich auch Airlines weltweit, abgesehen davon, dass die Drehkreuze in Abu Dhabi und Dubai über mehrere Tage von der Außenwelt abgeschnitten sind und viele Reisende erst einmal auf verlorenem Posten stehen.
An der Börse war die Reaktion am Montagmorgen nach Beginn des neuen Iran-Konflikts so simpel wie erwartbar. Zur offiziellen Börseneröffnung Punkt neun Uhr kauften Anleger überstürzt Aktien von Rheinmetall oder Renk, weil sie den auf den ersten Blick logischen Schluss zogen, dass kriegerische Auseinandersetzungen für Rüstungsaktien positiv seien. Auf der anderen Seite drückten mutmaßlich vor allem private Investoren auf den Verkaufsknopf bei Aktien der Lufthansa.
Dass man an der Börse aber fast immer die zweite Ableitung denken muss, zeigte sich am Montag in der folgenden Reaktion. „Die Aktie der Lufthansa markierte ihr Tagestief exakt zur Börseneröffnung, um sich danach rasant um nahezu 10 Prozent innerhalb des Handelstages zu erholen“, so Thomas Soltau vom Smartbroker. Ähnliches sah man bei Aktien von TUI und anderen Titeln, die sensibel auf den Konflikt reagierten. Rüstungsaktien waren wie gewohnt an der Münchner Börse den ganzen Tag über sehr gefragt als Tradinginstrument, markierten aber ihren Höchstkurs zur Börsenöffnung, um dann während des Tagesverlaufs sukzessive abzusacken.
An der Börse gilt die wichtige Frage: Was ist schon eingepreist? Denn nur darum geht es. Es geht am Aktienmarkt niemals darum, was passiert ist, sondern darum, was passieren könnte, oder um es mit einem geflügelten Wort aus meinem Studium zu sagen: Für das Gewesene gibt der Kaufmann nichts.
Die Gedanken in dieser Woche mussten daher dahin gehen, dass man schon über ein Ende des Konflikts nachdenkt. Welche Folge würde das für die Ölpreise im Speziellen haben? Ein Abbau des zwischenzeitlichen Hypes am Ölmarkt wäre eine logische Folge, da die Angst vor der Sperrung der Straße von Hormus peu à peu entweichen würde.
Einfach spekulieren und Hebelprodukte suchen, die auf fallende Ölpreise setzen, muss aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Denn am Ölmarkt kommt im Gegensatz beispielsweise zu Gold noch ein wesentlicher Faktor dazu: „Rohstoffe weisen Spezifika bei der Terminkurve auf. Dies gilt für Agrarrohstoffe, aber auch für Energierohstoffe im Speziellen. Beide Phänomene nennt man Contango respektive Backwardation“, erklärt Experte Soltau. „Contango bedeutet, dass die Preise bei Öl der Sorte Brent oder WTI über die Future-Kurse der nächsten Monate eher steigen würden. Backwardation meint das Gegenteil“, so der Lynx-Broker. Es bedeutet, dass der Ölpreis über die Terminpreise der nächsten Monate tendenziell fallen würde. Wer also über längere Zeit auf fallende Ölpreise spekuliert, muss seine Spekulation so gestalten, dass er darauf setzt, dass die Preise noch tiefer fallen, als der Markt es jetzt schon antizipiert. Insofern ist für jeden, der sich am Ölmarkt umtun will, ein Blick auf die Future-Kurse, beispielsweise an der CME Group in den USA, essenziell.
