
Chevron, Exxon und Co.
Goldgrube Venezuela oder gefährliche Öl-Wette?
05.01.2026 – 15:16 UhrLesedauer: 4 Min.
Der Sturz Maduros entfacht neue Hoffnungen im Ölsektor. Doch ob daraus echte Renditen für Anleger entstehen, ist alles andere als sicher.
Auslöser war eine Ankündigung von US-Präsident Donald Trump. Nach der überraschenden Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro stellte er in Aussicht, dass US-Konzerne in den kommenden Monaten Milliardenbeträge in den Wiederaufbau des maroden Ölsektors investieren könnten.
An der Börse zählt die Zukunft – und frühe Erwartungen können die Kurse treiben. Doch gilt das auch hier? Lohnt es sich für Privatanleger, jetzt auf US-Ölaktien zu setzen und auf einen neuen Ölboom zu hoffen? Die Antwort der Experten fällt deutlich differenzierter aus.
Venezuela verfügt über gewaltige Ölreserven. Mit geschätzten mehr als 300 Milliarden Barrel zählt das Land zu den weltweit rohstoffreichsten Staaten. Dennoch ist die Förderung in den vergangenen Jahren dramatisch eingebrochen. Aktuell produziert Venezuela nur noch rund eine Million Barrel pro Tag – lediglich ein Viertel des Niveaus von 1974.
US-Außenminister Marco Rubio betonte, venezolanisches Schweröl sei für Raffinerien an der US-Golfküste besonders wertvoll. Das erklärt das grundsätzliche Interesse amerikanischer Ölkonzerne. Doch wirtschaftlich ist der Neustart eine Mammutaufgabe.
Francisco Monaldi, Direktor für lateinamerikanische Energiepolitik am Baker Institute for Public Policy der Rice University, beziffert den Kapitalbedarf auf rund zehn Milliarden US-Dollar pro Jahr, und zwar über mindestens ein Jahrzehnt. Erst dann ließe sich die Produktion wieder auf frühere Höchststände bringen. Ursache sind jahrelange Korruption, fehlende Investitionen, Brände und Diebstähle, die große Teile der Ölindustrie zerstört haben.
Der Zustand der Infrastruktur verdeutlicht, warum Investoren zögern. In venezolanischen Ölhäfen dauert das Beladen von Supertankern heute bis zu fünf Tage. Früher war es ein Tag. Im Orinoco-Becken, einer der ölreichsten Regionen der Welt, stehen Förderanlagen still, Ölverschmutzungen bleiben unbehandelt und Bohrplätze wurden geplündert.
Hinzu kommen undichte oder demontierte Pipelines, die teils als Schrott verkauft wurden. Brände und Explosionen haben weitere Anlagen zerstört. Selbst das einst hochmoderne Raffineriezentrum Paraguaná arbeitet nur noch eingeschränkt, viele sogenannte Upgrader – Anlagen zur Aufbereitung des zähflüssigen Schweröls – sind außer Betrieb. Für internationale Konzerne bedeutet das: Ohne massiven Kapitaleinsatz geht nichts.