Ökonomen warnen vor Rückführungen nach Syrien

„Schwerer Fehler mit enormen Kosten“

Ökonomen warnen vor Dobrindts Abschiebeplänen


Aktualisiert am 06.01.2026 – 10:31 UhrLesedauer: 2 Min.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und die CSU dringen auf eine harte Linie bei der Einwanderung. (Archivbild) (Quelle: Michael Kappeler/dpa/dpa-bilder)

Bundesinnenminister Dobrindt spricht sich für eine Rückkehr syrischer Geflüchteter aus. Experten äußern Sorgen angesichts der möglichen wirtschaftlichen Folgen.

Führende Wirtschaftsforscher haben vor den ökonomischen Auswirkungen der von der CSU im Bundestag geforderten Verschärfung der Migrationspolitik gewarnt. Jens Südekum, Ökonom und Wirtschaftsberater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), sagte dem „Handelsblatt“: „Insgesamt hängt das Beschäftigungswachstum in Deutschland komplett an Menschen mit Migrationshintergrund, während die heimische Erwerbsbevölkerung wegen der Demografie schon schrumpft.“ Südekum weiter: „In so einer Lage macht es ökonomisch keinen Sinn, über Rückführungen im großen Stil nachzudenken.“

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) arbeiten rund 80.000 Menschen aus Syrien hierzulande in Engpassberufen. „Die meisten waren als Fachkraft beschäftigt, also in Tätigkeiten, die in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung erfordern. Damit tragen syrische Beschäftigte in nennenswertem Umfang dazu bei, den Fachkräftemangel in Deutschland abzufedern“, heißt es in der Studie.

Die große Mehrheit der seit 2015 nach Deutschland Geflüchteten sei mittlerweile ein fester Bestandteil des Arbeitsmarkts und der Gesellschaft in Deutschland, sagte Fratzscher. „Eine Abschiebeoffensive könnte die deutsche Volkswirtschaft erneut in die Rezession treiben, da kurzfristig mehrere Hunderttausend Jobs verloren gehen würden.“

Südekum hält einzelne CSU-Forderungen zwar für nachvollziehbar, etwa wenn es um die beschleunigte Abschiebung integrationsunwilliger oder straffällig gewordener Zuwanderer geht. Doch man dürfe „nicht übers Ziel hinausschießen“. Deutschland sei „essenziell“ auf Zuwanderung angewiesen: „Der Arbeitsmarkt funktioniert in vielen Bereichen nicht mehr ohne, und das betrifft eben auch die Menschen aus Syrien.“

Fratzscher wies darauf hin, dass viele Geflüchtete heute in „systemrelevanten Berufen“ arbeiten. Als Beispiele nannte er den Gesundheitsbereich und die Pflegebranche.

Dobrindt hatte sich für eine Rückkehr syrischer Geflüchteter ausgesprochen und damit eine Debatte in der Union ausgelöst. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sprach sich gegen eine Abschiebung von Syrern in ihr Heimatland ab. Bei seiner Reise in das Land erklärte Wadephul kürzlich: „Syrien sieht schlimmer aus als Deutschland 1945.“

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