Trendwende für Küstenfischerei

Krabben-Überraschung in der Nordsee: Sinkt nun der Preis?

Aktualisiert am 09.03.2026 – 09:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Bereits auf dem Krabbenkutter gekochte Krabben: Der Bestand in der Nordsee ist wieder gewachsen. (Quelle: Sina Schuldt)

Nach sechs schwachen Jahren meldet die deutsche Krabbenfischerei ein historisches Umsatzergebnis. Ob die Branche davon langfristig profitiert, bleibt offen.

Niedersachsens Küstenfischer haben 2025 beim Krabbenfang ein Rekordjahr verzeichnet. Die Fangmenge stieg auf 2.092 Tonnen – fast doppelt so viel wie im Vorjahr, wie der Verband der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei mitteilte.

Der Jahresumsatz der deutschen Krabbenfischerei überstieg laut Verband die Marke von 60 Millionen Euro. 2024 hatte der Umsatz bei rund 25 Millionen Euro gelegen. Der Verband bezeichnet das Ergebnis als „Rekordjahr“ für die gesamte deutsche Krabbenfischerei.

Dass Krabben knapp waren, bekamen auch Kunden im Supermarkt zu spüren. Noch 2023 lag der Preis für 100 Gramm Nordseekrabben bei etwa sieben Euro, teilt Rewe mit. Ende des vergangenen Jahres schätzten Experten bereits, dass sich die Preise langsam wieder stabilisieren und fünf bis sechs Euro für 100 Gramm Krabben fällig werden.

Nach Angaben der Fischer habe ein geringerer Wittlingsbestand in der Nordsee den Krabbenbestand nun wieder wachsen lassen. Der Wittling gehört zur Familie der Dorsche und gilt als Fressfeind der Nordseekrabbe.

Der gestiegene Fang drückte auf den Preis. Nach Angaben der Fischer brachte ein Kilogramm Krabben im Durchschnitt 6,60 Euro – gegenüber 7,45 Euro im Jahr 2024.

Dirk Sander, erster Vorsitzender des Verbandes der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei, beschreibt den Jahresverlauf als unerwartete Wende. Anfang 2025 seien die hohen Fangmengen nicht abzusehen gewesen, sagte er. Im Frühjahr hätten einige Fischer ihren Betrieb aufgeben wollen. Sander sagt: „Doch es kam anders. Die Krabben kamen zurück, der Wittling nicht. Ein Wunder, an das viele Fischer nicht mehr geglaubt haben.“

Der Verband vertritt 62 aktive Fischereibetriebe – darunter Krabbenfischer, Muschelfischer und die Kleine Hochseefischerei. Nicht alle Sparten profitierten vom guten Jahr. Die Menge angelandeter Miesmuscheln lag 2025 bei 876 Tonnen – ein Rückgang von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Verband mitteilte. Nach Angaben des Fischereiverbandes beeinträchtigt Baggergut aus Ausbaggerungen von Flüssen, Häfen und Kabeltrassen die Aufwuchsbedingungen für Miesmuscheln im niedersächsischen Küstenmeer.

Die Sorgen der Krabbenfischer reichen über das Rekordjahr hinaus. Der Krieg im Nahen Osten treffe die Nordseefischer, sagte Sander. Die Treibstoffpreise seien bereits gestiegen. Zu Beginn der Fangsaison im Frühjahr seien zudem meist wenig Krabben verfügbar. Sander sagt: „Wie wir die Kutter da am Laufen halten können, das wissen wir noch nicht.“

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