
Das hausgemachte Minus
Motorradmarkt bricht drastisch ein
07.01.2026 – 08:13 UhrLesedauer: 2 Min.
Historische Vollbremsung auf dem Motorradmarkt: Die Neuzulassungen brachen 2025 massiv ein. Hinter der Horrorzahl steckt ein taktisches Manöver der Branche. Für Käufer hat das kuriose Folgen.
Die aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) für das Jahr 2025 wirken wie ein Schock: Mit nur 162.009 Neuzulassungen sackte der Motorradmarkt um satte 35,5 Prozent ab. Doch das Minus ist hausgemacht. Während die Händler in ihren Schauräumen fleißig Maschinen verkauften, herrschte in der amtlichen Statistik gähnende Leere. Wie ist das möglich?
Die Misere wurzelt in einem Manöver vom Dezember 2024. Damals meldeten Händler fast 32.000 Maschinen in nur einem Monat neu an – achtmal so viele wie üblich.
Hinter diesem Ansturm steckte ein schlichtes Kalkül: Am 1. Januar 2025 trat die strengere Abgasnorm Euro 5+ in Kraft. Um ihre Bestände an alten Euro-5-Modellen nicht unverkäuflich zu machen, ließen viele Händler die Maschinen kurz vor dem Jahreswechsel per Tageszulassung zu. Denn die neuen, strengeren Umweltregeln greifen nur bei der Erstzulassung, nicht bei bereits angemeldeten Fahrzeugen.
Dieser Vorgriff auf die Zukunft ruinierte das Jahr 2025. Da die Lager mit bereits zugelassenen Maschinen prall gefüllt waren, meldeten die Händler über Monate hinweg kaum neue Fahrzeuge an. Die Kunden kauften zwar, doch für das Kraftfahrt-Bundesamt blieben diese Verkäufe unsichtbar. Sie tauchten in keiner Neuzulassungs-Statistik mehr auf.
Was nach einem Zahlenspiel für Statistiker aussieht, hatte ganz reale Konsequenzen:
Für die Saison 2026 hofft die Branche auf eine bereinigte Realität. Der Euro-5-Sondereffekt ist abgearbeitet. Die Hersteller locken mit einer Modelloffensive: Preiswerte Mittelklasse-Motorräder und neue E-Modelle sollen die Käufer wieder in die Schauräume ziehen. Ob dieser Plan aufgeht, wird sich mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr zeigen.