Chinesische Forscher haben ein neues Coronavirus in Fledermäusen entdeckt. Droht eine neue Pandemie? Was bisher bekannt ist.

Böse Erinnerungen werden wach: Bis heute ist der tatsächliche Ursprung von SARS-CoV-2 nicht endgültig geklärt, aber Fledermäuse galten lange Zeit als mögliches Virusreservoir. Ihre Übertragung auf den Menschen und die darauffolgende Mensch-zu-Mensch-Übertragung lösten vor fünf Jahren die Pandemie aus. Droht nun die nächste Epidemie?

Ausgerechnet aus der chinesischen Stadt Wuhan (die als Ursprungsort der Corona-Pandemie gilt) kommen neue beunruhigende Nachrichten: Forscher entdeckten ein neues potenziell gefährliches Coronavirus – in Fledermäusen.

Besorgniserregend ist, dass HKU5-CoV-2 (so der Name des Virus) an ein menschliches Enzym andocken kann, das auch SARS-CoV-2 nutzt, um in die menschlichen Zellen einzudringen. Damit konnte im Labor gezeigt werden, dass das Virus Modelle des menschlichen Darms und der Atemwege infizieren kann. Es bestehe somit die Möglichkeit, dass es sich eines Tages auf den Menschen ausbreiten könne, berichten die Forscher.

Im „Ärzteblatt“ ordnet Simon Clarke, britischer Professor für Zellmikrobiologie, ein: „Die Entdeckung eines weiteren Fledermaus-Coronavirus, das sich auf die gleiche Weise wie SARS-CoV-2 Zugang zu menschlichen und tierischen Zellen verschafft, ist naturgemäß besorgniserregend und wird Menschen beunruhigen.“

Sein Kollege, Corona-Forscher Samuel Ellis, verweist im gleichen Medium auf die Tatsache, dass es sich um Experimente handelt und eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung bislang nicht stattgefunden hat: „Die Forschenden betonen, dass dieses Virus derzeit für die Anpassung an den Menschen suboptimal ist.“ Die Infektion menschlicher Zellen sei bislang nur im Labor-Setting gezeigt worden.

Weiter heißt es: „Eine Übertragung von Tier zu Mensch oder von Mensch zu Mensch sei nicht nachgewiesen worden. Vielversprechend sei zudem, dass die gegen Covid-19 entwickelten Antikörper- und antiviralen Arzneimitteltherapien auch gegen dieses neue Virus wirksam sein könnten.“

Ähnlich sieht es auch Michael Osterholm, US-Experte für Infektionskrankheiten. Er erklärte der Nachrichtenagentur Reuters, die Reaktion auf die Studie sei „übertrieben“, und verweist darauf, dass in der Bevölkerung im Vergleich zu 2019 eine hohe Immunität gegen ähnliche SARS-Viren bestehe, was das Pandemierisiko verringern könne.

„Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen Grund zur Sorge“, betont auch Efstathious Giotis, Virologe an der Universität Essex. HKU5-CoV-2 stelle keine unmittelbare Bedrohung dar, das Virus müsse aber genau überwacht werden.

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