Neue Gaskraftwerke

Wer sagt hier die Wahrheit?


02.06.2026 – 18:45 UhrLesedauer: 4 Min.

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Greenpeace-Aktivisten demonstrieren mit einem Banner gegen den Neubau von Gaskraftwerken: Die deutsche Energiedebatte dreht sich um die Frage, wie viele Kraftwerke benötigt werden. (Quelle: IMAGO/Achim Duwentäster/imago)

Wie soll das Energiesystem der Zukunft aussehen? Über diese Frage streiten sich Energieexperten seit Jahren. Beim Thema Gaskraftwerke kocht der Konflikt über.

Seit Tagen wird in der Energiewelt mal wieder gestritten. „Die aktuelle Debatte zeigt vor allem eines: Wir brauchen mehr wissenschaftliche Sorgfalt – und weniger zugespitzte Fehlinterpretationen.“ Das schreibt die Energieökonomin Claudia Kemfert am Montag auf der Social-Media-Plattform LinkedIn. Sie reagiert damit auf einen Artikel, der vor einigen Tagen in der „Welt“ erschienen ist und in dem sie damit zitiert wird, dass es „keine Panik wegen Dunkelflauten“ geben müsse. Im weiteren Verlauf des Artikels wird Kemfert vorgeworfen, die Dunkelflauten zu verharmlosen.

Dunkelflauten sind Wetterphänomene, bei denen die erneuerbaren Energien kaum oder gar keinen Strom erzeugen können, weil weder Sonne noch Wind in ausreichenden Mengen vorhanden sind. In diesen Zeiten müssen deshalb Alternativen einspringen, damit Deutschland sich selbst versorgen kann. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will deshalb noch in diesem Jahr den Bau neuer Gaskraftwerke ausschreiben, die ab 2031 in Dunkelflauten als Reservekraftwerke dienen sollen. Heute übernehmen diese Aufgabe vorrangig Kohlekraftwerke, die aber bis spätestens 2038 abgeschaltet werden sollen.

Wie oft kommen Dunkelflauten wirklich vor?

Das Phänomen der Dunkelflauten hat einen Streit ausgelöst, der sich immer weiter hochschaukelt. Es gibt nämlich keinen wissenschaftlichen Konsens darüber, wie oft solche Dunkelflauten wirklich vorkommen. Und damit steht auch nicht fest, wie viele Gaskraftwerke benötigt werden, um sie zu überbrücken.

So hat in der vergangenen Woche das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace eine Studie veröffentlicht, die zu dem Schluss kommt, dass ernst zu nehmende Dunkelflauten nur „alle paar Jahre“ aufkämen. Sie werden so definiert, dass erneuerbare Anlagen für mehr als fünf Tage am Stück keinen Strom erzeugen können. Kürzere Dunkelflauten könnten durch ein flexibles Stromsystem auch ohne Gaskraftwerke überwunden werden, etwa indem Speicher, Biogas-Kraftwerke, Geothermie und andere Technologien ausgebaut werden. In diesem Falle gebe es bis 2030 „kein oder nur einen sehr geringen Bedarf“ an Gaskraftwerken, schreiben die Autoren.

Wie viele Kraftwerke nach 2035 benötigt werden, sollte erst nach 2030 entschieden werden – auf Basis der bis dahin ausgebauten Erneuerbaren (Sonne, Wind, Biogas) und flexiblen Batteriespeicher (inklusive Elektroautos).

Zweite Studie kommt zum gegenteiligen Ergebnis

Zu einem fast gegenteiligen Ergebnis kommt wenige Tage später eine andere Kurzstudie, diesmal vom Energieversorger Uniper. Demnach kommen Dunkelflauten regelmäßig vor, im vergangenen Jahr zählte das Unternehmen 168, im Jahr davor waren es 160. In dieser Studie wird eine Dunkelflaute so definiert, dass Erneuerbare Anlagen mindestens zehn Stunden lang keinen Strom liefern können.

24-stündige Flauten gebe es nahezu jeden Monat, dreitägige Dunkelflauten rund zweimal im Jahr. „Extreme Dunkelflauten von mehr als fünf Tagen sind zwar die Ausnahme, dennoch muss die Versorgungssicherheit auch in diesen Phasen garantiert werden“, schreiben die Autoren.

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