Nein, wir stehen nicht blank da

Davos-Nachlese bei „Caren Miosga“

Pistorius: „Nein, wir stehen nicht blank da“


26.01.2026 – 02:07 UhrLesedauer: 4 Min.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). (Quelle: Juliane Sonntag/dpa)

Bei Caren Miosga wird deutlich, dass die Trump-Desillusionierung ein neues Niveau erreicht hat. Boris Pistorius versucht den Ball trotzdem flach zu halten.

Bei Caren Miosga wird deutlich, dass die Trump-Desillusionierung ein neues Niveau erreicht hat. Boris Pistorius versucht den Ball trotzdem flach zu halten.
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos konnte eine Eskalation im Grönland-Streit gerade noch verhindert werden, zugleich übte der ukrainische Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Kritik an seinen westlichen Verbündeten. Da lag das Thema des gestrigen ARD-Sonntagstalks auf der Hand: „Putins Krieg und Trumps Erpressung – wie kann Europa sich behaupten?“, hatte Caren Miosga ihre Sendung überschrieben.

Zunächst spielte die Moderatorin ein knapp 15-minütiges Gespräch mit Boris Pistorius ein, das sie bereits am frühen Abend geführt hatte. Wie erleichtert er sei, dass der US-Präsident Grönland nun nicht mehr mit Gewalt einnehmen wolle, fragte sie den Verteidigungsminister. „Ich bin nicht erleichtert, ich hab’s eigentlich nie erwartet“, antwortete Pistorius. Es sei bei Donald Trump eben „ein Vor und Zurück und Zur-Seite“. Da gelte es, Ruhe zu bewahren und Geschlossenheit zu zeigen. An dem noch auszuarbeitenden Abkommen, auf das sich Trump mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte verständigt hat, lobte er, dass es in die Richtung gehe, „die Sicherheit der Arktis zu erhöhen“. Die Bundeswehr sei bereit, sich daran zu beteiligen.

Dass er mit der Grönland-Erkundungsmission, an der sich die Bundeswehr mit sieben weiteren Nato-Staaten beteiligt hatte, selbst zur Eskalation beigetragen habe, sah Pistorius nicht so. Die Aktion sei abgestimmt gewesen, es sei darum gegangen zu zeigen: „Die Nato trägt Verantwortung auf Grönland.“ Den von Miosga erwähnten Vorwurf Trumps, die Nato-Verbündeten der USA hätten sich im Afghanistan-Einsatz „immer etwas abseits der Frontlinie aufgehalten“, wies Pistorius zurück und nannte ihn „unanständig und respektlos“.

Dennoch zeigte sich der SPD-Politiker überzeugt, dass die USA auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der Nato spielen werden und dass das Bündnis nicht aufgekündigt sei. „Nein, wir stehen nicht blank da“, erklärte Pistorius. Auf die Frage, ob er Trump noch vertrauen könne, räumte er allerdings ein: „Das weiß ich nicht. Wir können uns auf nichts mehr so verlassen, wie wir es die letzten 70 Jahre tun konnten.“ Er sprach von einem „Epochenbruch“ und empfahl, die Europäer sollten auf sich schauen und nicht jede Trump-Äußerung kommentieren, „weil es nicht die Zeit und die Mühe wert ist“.
Gefragt, wie es um die angestrebte „Kriegstüchtigkeit“ der Bundeswehr im Jahr 2029 stehe, antwortete Pistorius: „Wir sind auf exzellentem Weg.“

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