
Bei dem Manöver geht es insbesondere um die Rolle Deutschlands als sogenannter Drehscheibe. Warum Drehscheibe? Im Konfliktfall mit Russland etwa im Baltikum wäre Deutschland aufgrund seiner geografischen Lage Basis und Transitland. Mit sehr kurzer Vorlaufzeit müssten gegebenenfalls bis zu 800.000 Soldaten, Material und Waffensysteme aus verschiedenen Nato-Staaten über Deutschland nach Osten verlegt werden. Der Transport über Straßen, Brücken, Schienen, Verpflegung, Treibstoff, medizinische Versorgung, technische Unterstützung müssen sichergestellt sein. De facto führten alle Nachschubwege über Deutschland, hatte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, gesagt.
Das laufende Nato-Manöver besteht aus einer Verlegungs- und einer Übungsphase. Ein zentraler Schauplatz soll im Februar der niedersächsische Truppenübungsplatz in Bergen in der Lüneburger Heide werden – einer der größten Truppenübungsplätze in Europa. Aber auch an anderen Orten wird geübt, etwa an der Ostseeküste in Schleswig-Holstein. Am Truppenübungsplatz Putlos etwa will das Militär eine amphibische Landung demonstrieren.
Die USA sind bei der Übung nicht dabei. Das hat nach Angaben der Nato keinen politischen, sondern einen anderen Hintergrund: Die beteiligten Nationen in der ARF wechseln immer wieder durch. Anwesend sind die USA trotzdem – als Gesprächsthema.
Kann man sich auf das Land, dessen Präsident die Nato-Partner immer wieder vor den Kopf stößt, noch verlassen? Gibt es noch normale Zusammenarbeit unter Trump? Ja, wird einhellig betont. „Auf der Arbeitsebene spürt man nichts“, sagt Gerhartz, der zu den ranghöchsten Generälen der Nato gehört beim Besuch auf dem spanischen Flagschiff „Castilla“. Die Arbeit mit seinen amerikanischen Kollegen auf der Nato-Führungsebene läuft demnach reibungslos. „Das sind meine Freunde“, sagt er. Die USA würden in der Nato bleiben, da gebe es auf seiner Ebene – er habe täglich mit den Amerikanern zu tun – keine Zweifel.
In der täglichen Zusammenarbeit habe sich nichts geändert, sagt auch Juan Bautista Pérez Puig, Chef der spanischen Marine auf der „Castilla“ am Rande einer Vorführung zur Verladung von Militärfahrzeugen. Die einfachen Soldaten auf dem Schiff, die bald Richtung Deutschland in See stechen, beschäftigt das Thema Trump nach eigener Aussage weniger. „Wir tun unseren Dienst, für die Politik sind andere zuständig“, sagt ein Matrose. Andere äußern sich ähnlich.