Trittin verteidigt bei Lanz Katar-Deal und Chinapolitik

Der grüne Ex-Umweltminister Jürgen Trittin verteidigte in der ZDF-Talkshow “Markus Lanz” die Flüssiggas-Importe aus Katar. Die Chinapolitik nannte er “realistisch”.

Markus Lanz hatte sich zum Thema Energiepolitik den Alt-Grünen Jürgen Trittin eingeladen. Und verfolgte offenkundig das Ziel, im Verein mit zwei Journalisten durch Kritik an der Energie- und Außenpolitik der Ampelkoalition Stirnrunzeln, wenn nicht Sorgenfalten auf der Stirn des Politik-Veteranen zu erzeugen. Schließlich gilt der als prinzipienscharfer Vertreter grüner Ideen, wenn nicht als “Fundi”.

Die Gäste:

  • Jürgen Trittin, Grünen-Politiker
  • Kathrin Witsch, Journalistin (“Handelsblatt”)
  • Michael Bröcker, Journalist (“The Pioneer”)
  • Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte

Trittin: “Wir machen eine Art Notstandspolitik”

Auch die Förderung von Frackinggas hatte Lanz im Fragenkatalog. Der Aussage, dass die Klimabilanz von über den Atlantik transportiertem Frackinggas deutlich schlechter sei als bei in Deutschland gefördertem, widersprach Trittin nicht. Doch blieb er bei seiner Ansicht, dass das einen “Vorlauf von mehreren Jahren” benötige. Dann seien allen Kostenvorteile im Vergleich dahin. Klimaschädliches Frackinggas zu importieren sei “zurzeit notwendig, aber man muss so schnell wie möglich da raus”, sagte Trittin: “Was wir zurzeit machen, ist eine Art Notstandspolitik”.

Die Journalisten im Studio sprachen sich nicht so klar für Fracking aus, wie Lanz vielleicht gehofft hatte. Beim Thema CCS (Carbon Capture and Storage), also der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid, gab es keinen Streit. Zwar prognostizierte Michael Bröcker, der Chefredakteur von Gabor Steingarts “The Pioneer”-Projekt, dass CSS im nächsten Jahr beschlossen werde und auch die Grünen zustimmen müssten. Trittin beteuerte, er sei schon “vor Jahren” dafür gewesen und wegen des Klimaschutzes weiter dafür. Damals sei das Vorhaben gar nicht an “grüner Ideologie”, sondern an Bauern-Protesten gescheitert.

“Was wir jetzt vorhaben, ist gigantisch”

Auch beim Thema grüner Wasserstoff, das Kathrin Witsch vom “Handelsblatt” profund erklärte, herrschte Einigkeit. Wenn die Journalisten überbordende Bürokratie, fehlende Digitalisierung und daher geringe Chancen, den erhoffte Ausbau von Windrädern und Ladestationen zu erreichen, beklagten, wechselte Trittin einfach auf die andere Seite der Medaille: “Was wir jetzt vorhaben, ist gigantisch”, und vieles davon könne geschafft werden. Trittin forderte außerdem eine industriepolitische Antwort auf die US-amerikanische Subventionspolitik des Inflation Reduction Act.

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Ein weiteres großes Thema war die deutsche Chinapolitik. Bröcker nannte Details aus einem noch unveröffentlichten Strategiepapier des Wirtschaftsministeriums. Das sei ein “Dokument des Misstrauens”, das für den Wandel zu einer klar von deutschen Interessen geleiteten Außenpolitik gegenüber China stehe. Na ja, “ein realistisches Papier” sei es, ergänzte Trittin. Großen Teilen der deutschen Wirtschaft seien die genannten Probleme im Umgang mit China schon lange bewusst. Die großen Autohersteller, BASF und Siemens bildeten Ausnahmen. Das Papier sei ein “Warnschuss aus der Politik”, den die Unternehmen bräuchten, um ihre Abhängigkeit von China-Geschäften zu reduzieren, flankierte Witsch.

Neitzel: “Deutsche denken postnational”

Der vierte Gast Sönke Neitzel bemühte sich als Historiker, geschichtliche Perspektiven einzubringen. Zur von Bundeskanzler Scholz postulierten “Zeitenwende” warf er die Frage auf, wann Deutschland es geschafft hatte, seine Gesellschaft neu zu erfinden, wie es den USA mit dem “New Deal” in den 1930er Jahren gelungen war. Eigentlich nur nach verlorenen Kriegen, antwortete er sich selbst. Neitzel demonstrierte mehr Skepsis als die anderen Gäste. “Wir Deutschen denken postnational, sind aber die einzigen, die so denken. Die anderen denken national”, meinte er später zu den weiterhin ziemlich unterschiedlichen Strategien der EU-Staaten. In der Krise liegende Chancen sieht aber auch der Militärhistoriker: Jetzt seien “Zeiten, in denen man jämmerlich scheitern, aber auch zum Held werden kann, als Minister und Bundeskanzler”, lautete sein Schlusswort. Das klingt doch auch aufmunternd.

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