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Montag, Mai 23, 2022

Schwere Angriffe “aus allen Richtungen” – Minister macht Mut

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Kiew/Moskau (dpa) – Die ukrainischen Streitkräfte sind nach Medienberichten weiterhin vielerorts schweren Angriffen “aus allen Richtungen” ausgesetzt. Dem russischen Gegner werde jedoch “entschlossener Widerstand” entgegengesetzt, heißt es in einer Mitteilung der ukrainischen Armee.

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow machte seinen Soldaten nach den tagelangen schweren Kämpfen Mut. In einem Beitrag auf Facebook sprach er von “drei Tagen, die unser Land und die Welt für immer verändert haben”. Dabei sei es den Russen nicht gelungen, wie geplant Kiew zu erobern. “Stattdessen sehe ich eine heldenhafte Armee, eine siegreiche Wache, furchtlose Grenzwächter, engagierte Retter, zuverlässige Polizisten, unermüdliche medizinische Engel.”

Resnikow sprach den Verteidigern Mut zu. “Stündlich erkennen immer mehr Menschen, dass es nirgendwo in Europa eine solche Armee gibt.” Die Ukraine erwarte nunmehr Hilfe, die vor drei Tagen nicht möglich schien. “Die Dunkelheit wird zurückweichen. Die Morgendämmerung ist nahe.”

Russland hatte verstärkte Offensive angekündigt

Russland hatte am Samstag eine verstärkte Offensive gegen die Ukraine angekündigt. Der “Vormarsch der wichtigsten russischen Streitkräfte” werde wieder aufgenommen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut der Agentur Interfax. Begründet wurde das damit, dass die Ukraine angeblich ein Angebot von Friedensverhandlungen ausgeschlagen habe – was die ukrainische Führung zurückwies. Gesicherte Informationen zum eigentlichen Kampfgeschehen in der Ukraine waren jedoch auch in der Nacht zum Sonntag spärlich.

Kremlchef Wladimir Putin hat den russischen Streitkräften seine Anerkennung ausgesprochen. Sie hätten nicht das erste Mal unter schwierigsten Bedingungen maximal effektiv ihre Aufgaben erfüllt, sagte Putin in einer am Sonntag veröffentlichten Videobotschaft zum Tag der Kräfte für Spezialoperationen. Putin nennt seinen am Donnerstag begonnenen Krieg gegen das Nachbarland Ukraine eine Spezialoperation. Die Einheiten würden in diesen Tagen heldenhaft ihre militärischen Pflichten erfüllen “bei der Hilfeleistung für die Volksrepubliken des Donbass”.

Nach Darstellung der ukrainischen Armee wurde unter anderem ein schwerer russischer Angriff bei Charkiw abgeschlagen. Bei Cherson im Süden sei dagegen russischen Einheiten nach erbitterten Kämpfen ein Vorstoß gelungen. In der Region Luhansk gab es Gefechte.

Auch in Kiew wurde nach Medienberichten heftig gekämpft. Dabei soll ein Lager mit radioaktiven Abfällen des Unternehmens Radon von russischen Granaten getroffen worden sein, wie der Sender Kanal 24 und andere Medien meldeten. Nach ersten Messungen bestehe “keine Bedrohung für die Bevölkerung außerhalb der Schutzzone”, hieß es.

In der Nähe der Großstadt Charkiw in der Ostukraine ging nach Darstellung der ukrainischen Agentur Unian eine Gasleitung in Flammen auf. Sie soll von russischen Truppen gesprengt worden sein. Unklar war, ob es sich bei der Leitung um eine regionale Erdgasleitung oder um einen Teil der aus Russland nach Europa führenden Leitungen handelt.

Gefechte um Flughafen nahe Kiew

Russische und ukrainische Einheiten lieferten sich am frühen Sonntagmorgen erbitterte Gefechte um den Flughafen Vasilkovo in einem Vorort der Hauptstadt Kiew. Nach Medienberichten versuchten die russischen Einheiten weiterhin, einen der größeren Flughäfen rund um Kiew unter ihre Kontrolle zu bringen.

All diese Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen. Selenskyj, der am Samstag immer wieder Videobotschaften verbreitet hatte, blieb bis Sonntagfrüh in sozialen Medien für einige Stunden still, ebenso Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Am Samstagabend hatte Klitschko im Nachrichtenkanal Telegram geschrieben: “Die Nacht wird schwierig.” Die ukrainischen Behörden hatten schon am Samstagmorgen von Kampfhandlungen in Kiew gesprochen.

Nato verlegt Einsatzutruppe NRF

Zur Verstärkung der Ostflanke und zur Abschreckung Russlands verlegt die Nato unterdessen Kräfte der schnellen Einsatztruppe NRF in das ukrainische Nachbarland Rumänien. Die belgische Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder bestätigte entsprechende Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Vortag.

Konkret kündigte Dedonder die Entsendung von 300 Soldaten an, die derzeit Teil der sogenannten Nato-“Speerspitze” VJTF sind. Diese ist wiederum Teil der NRF.

Neben den belgischen Kräften werden nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur insbesondere französische Truppen nach Rumänien verlegt. Frankreich führt in diesem Jahr die rund 5000 Soldaten starke VJTF.

Deutschland stellt für die schnellste Eingreiftruppe der Nato derzeit rund 750 Kräfte. Sie wurden nach Angaben eines Sprechers des Bundesverteidigungsministeriums vom Samstagnachmittag bislang allerdings nicht vom Nato-Oberbefehlshaber für den Einsatz angefordert. Insgesamt stehen in diesem Jahr rund 13.700 deutsche Bundeswehrsoldaten für die NRF zur Verfügung.

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