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Samstag, Juli 2, 2022

Religion – Corona, Krieg und Kirchenkrise: Katholikentag in Stuttgart

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Da seien 20.000 bis 30.000 Teilnehmende immer noch “ein Segen” und keineswegs eine Enttäuschung. “Wo sonst treffen sich jetzt so viele Menschen aus Politik, Wissenschaft, Kirche und Welt, Menschen aus den Gemeinden, Gäste aus dem Ausland, Engagierte aus allen Teilen Deutschlands, Angehörige verschiedener Religionen und diskutieren über Gott und die Welt?”

“Öffentlichkeit erzeugen und Begegnungen ermöglichen”

Die Kosten des Katholikentags bleiben mit zehn Millionen Euro gleich hoch, die Stadt Stuttgart, das Land Baden-Württemberg und der Bund zahlen kräftig mit. “Wir haben es mit einer starken Kostensteigerung zu tun, weil sich die Veranstaltungsbranche in Folge der Pandemie sehr gewandelt hat”, sagt Stetter-Karp. “Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass wir wieder Öffentlichkeit erzeugen und Begegnungen ermöglichen. Das hat seinen Preis.”

Der Kirchenexperte und Buchautor Andreas Püttmann (“Wie katholisch ist Deutschland… und was hat es davon?”) führt die niedrigen Anmeldezahlen nicht nur auf die noch immer andauernde Corona-Pandemie zurück, sondern auch auf eine immer schwächer werdende Kirchenbindung. Nach einer Forsa-Umfrage hätten im Januar 2022 nur noch zwölf Prozent der Deutschen großes Vertrauen zur katholischen Kirche gehabt, zur evangelischen Kirche 33 Prozent, sagt Püttmann. Das seien je drei Prozentpunkte weniger als 2021.

“Menschenfeindlich wahrgenommene Sexualmoral”

Die katholische Kirche sei nur noch wenig von den acht Prozent Vertrauen in den Zentralrat der Muslime entfernt. Vor fünf Jahren habe ihr Wert noch mehr als doppelt so hoch gelegen, bei 28 Prozent. “Auch das Vertrauen zum Papst ist regelrecht eingebrochen”, so Püttmann.

Als Ursachen dafür sieht der Experte eine “jahrelange Skandalberichterstattung und eine als menschenfeindlich wahrgenommene Sexualmoral”. “Religiöse Gleichgültigkeit dominiert”, folgert Püttmann.

Stetter-Karp räumt ein, die deutschen Katholiken bewegten sich derzeit auf einem “schmalen Grat zwischen Abgrund und Aufbruch”. Sie ist jedoch überzeugt: “Ohne den Mut, sich im öffentlichen Raum als Gemeinschaft von Glaubenden zu zeigen, werden wir bestimmt keine ansteckende Kraft entfalten.”

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