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Freitag, Mai 27, 2022

Kostüme in der Unterwelt: tanzmainz führt “Le Sacre” auf

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Es soll eine Feier der Freiheit und des Frühlings werden: Nach mehr als einjähriger Probenarbeit kommt es Ende April zur Uraufführung von “Le Sacre”. Als Besonderheiten der letzten Tanzpremiere am Staatstheater Mainz in dieser Saison nennt Ballettchef Honne Dohrmann die Begleitung durch das Philharmonische Staatsorchester und die Auswahl der Kostüme.

Seit Januar 2021 haben neun Tänzerinnen und neun Tänzer das Stück zu Igor Strawinskys Komposition “Le Sacre du Printemps” (Das Frühlingsopfer) entwickelt. “Üblicherweise kommen die Kostüme immer zuletzt dran”, sagt Tänzer Zachary Chant in einer Gesprächsrunde vor der Premiere. “Bei diesem Stück aber haben wir die Kostüme gleich am Anfang ausgewählt.”

Denn eine der Inspirationsquellen der Inszenierung ist die New Yorker Underground-Szene der Club Kids, die in den späten 1980er und 1990er Jahren Vorstellungen von Sexualität und Geschlechterzuordnungen in Frage stellte und mit schrillen Outfits ästhetische Akzente setzte. “Die Club Kids feierte ekstatische Partys”, sagt der belgische Choreograph Koen Augustijnen, der das Stück zusammen mit der in Genf geborenen Choreographin Rosalba Torres Guerrero entwickelt hat. Er kümmerte sich vor allem um die musikalische Struktur, während sie sich auf die Arbeit mit dem Ensemble von tanzmainz konzentrierte.

“Wir haben zwei Köpfe und zwei Herzen, aber wir gehen in dieselbe Richtung”, sagt Rosalba Torres Guerrero zur Zusammenarbeit in der Choreographie. “Wir können verschiedene Türen öffnen, weil wir unterschiedliche Schlüssel haben.”

Die Pariser Premiere von Strawinskys “Sacre du Printemps” war 1913 ein Skandal – zu unerhört war die Musik für das damalige Publikum. “Heute ist es gar nicht mehr so einfach, einen Skandal zu erzeugen”, sagt Augustijnen und lacht.

Die Musik Strawinskys dauert nur eine halbe Stunde – hinzu kommen die Tannhäuser-Ouvertüre von Richard Wagner, der “Cantos in Memoriam Benjamin Britten” von Arvo Pärt und Beethovens Coriolan-Ouvertüre. “Jede Musik hat eine ganz andere Stimmung, auf die wir uns einstellen müssen”, antwortet Zachary Chant auf die Frage, welche besonderen Anforderungen an das Ensemble gestellt werden.

Auf der Bühne entsteht eine Art Unterwelt. Die Tänzer bewegen sich auf einer Brücke über den Fluss Styx, der in der griechischen Mythologie die Welt der Lebenden mit dem Totenreich verbindet. Für das Ensemble gibt es keine Pause, alle sind die ganze Zeit dabei. Das Stück gebe den Tänzerinnen und Tänzern eine eigene Dynamik vor, erklärt Koen Augustijnen. “Nach und nach legen sie ihre Masken ab, sie bewegen sich auf das Heilige zu und hin zum Menschlichen.”

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