Kann man sich totschwitzen?

Denn die Grenze des wet-bulb-index ist gar nicht mal so hoch. 35 Grad Celsius ist so ziemlich das Ende der menschlichen Toleranz. Bei einer höheren Temperatur ist der Körper nicht mehr in der Lage, die Wärme effizient genug an die Umgebung abzugeben, um seine Kerntemperatur zu halten. Wir sterben dann nicht sofort, aber tragen schwere Schäden an Gehirn und Organen davon.

Etwa ein Drittel aller Menschen lebt heute in Gebieten, in denen an mindestens zwanzig Tagen im Jahr eine Kombination aus Hitze und Luftfeuchtigkeit herrscht, die lebensbedrohlich ist. Ohne schlechte Laune verbreiten zu wollen: Das wird zunehmen – selbst wenn wir als Menschheit alle Klimaziele einhalten, wonach es nicht annähernd aussieht.

Extreme Hitzeereignisse werden häufiger, in ihrer Intensität stärker und sie werden länger anhalten. Das gilt auch für Deutschland, wir sind keine Insel der Glückseligen, die maximale Lufttemperatur verschiebt sich auch hierzulande Richtung extreme Hitze. Klimatologische Kenngrößen sind “Heiße Tage” und “Tropennächte”, so nennt das der Deutsche Wetterdienst. Beides nimmt zu und beides ist nicht wirklich gesund. Allerdings auch wahr: Davon stirbt man nicht.

Es gibt auch Hoffnung

Andererseits: Manche Klimamodelle sagen voraus, dass wir bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts in Teilen der Welt einen wet-bulb-index von 35 erreichen. Was ja nicht mehr so lange hin ist. An einigen Orten in den Subtropen sind solche Bedingungen bereits aufgetreten, nie für lange, aber für immer länger.

Das bedeutet schlicht: Diese Gegenden werden unbewohnbar. Und weil die Leute, die dort wohnen, verständlicherweise nicht freiwillig sterben werden, sondern die Gegend verlassen, wird das einiges an geopolitischer Instabilität mit sich bringen … Aber lassen wir das, sonst wird der Text zu lang und meine Stimmung zu schlecht.

Hitze und Arbeitsalltag: Gefährliche Kombination

Außerdem sind auch weniger extreme Bedingungen oft tödlich und dazu müssen wir gar nicht in die Tropen gehen. Das liegt daran, dass Leute bei Hitze eben nicht nur im Pool liegen und durchgehend trinken, sondern arbeiten gehen, sich in aufgeheizten Städten aufhalten und zu jung sind oder zu alt, um eine gute Temperaturregulierung zu besitzen. Das Gute ist: Hitzetoleranz kann sich mit der Zeit ändern. Menschen in warmen Ländern haben es einfacher.

Auch das weiß ich aus eigener Anschauung, Job in Tel Aviv. Alle trugen hellblaue Businesshemden ohne einen einzigen Schweißfleck. Ich sah aus, als wäre ich mit meinen ganzen Klamotten gerade aus der Dusche gekommen. Was trotzdem komisch war, denn generell gilt: Menschen, die sich besser an die Hitze gewöhnt haben, schwitzen genauso, aber anders. Ihr Schweiß ist verdünnter. Sie verlieren weniger Elektrolyte, der Körper schützt sich so vor Herz- und Nierenproblemen. Hitzewellen im Frühsommer sind daher in der Regel tödlicher als solche im Spätsommer – weil sich die Menschen bis dahin an die hohe Temperatur gewöhnt haben.

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