Energie-Talk bei “Anne Will”: Ricarda Lang überrascht mit Atomkraft-Aussage

Fratzscher: “Es geht auch um die Mittelschicht.” Die beiden bisherigen Entlastungspakete der Bundesregierung seien nur temporär und “nicht zielgenau”, den Tankrabatt nannte er in dem Zusammenhang “die Ursünde aller Maßnahmen”. Stattdessen schlug er einen Notfallmechanismus vor, demzufolge Empfänger von Sozialleistungen pro Kopf und Monat dauerhaft 100 Euro mehr bekommen sollen.

Lang: “Armutswelle verhindern”

Grünen-Co-Chefin Ricarda Lang wies zwar darauf hin, dass bestimmte Entlastungen wie die Energiepreispauschale ihre Wirkung erst noch entfalten würden, stimmte aber zu, dass es darum gehe “eine Armutswelle zu verhindern” und “mehr Entlastungen” nötig seien. Sie sprach sich für ein Moratorium für Strom- und Gassperren sowie für ein Kündigungsmoratorium für Mieter aus.

Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn, inzwischen als stellvertretender Unionsfraktionschef zuständig für Wirtschaft, Klima und Energie, kritisierte wie schon vor drei Wochen an gleicher Stelle das Krisenmanagement der Regierung. Es gebe bis heute keinen Plan zu der Frage “Wie viele Terawattstunden wollen wir durch welche Maßnahmen ersetzen?”. Nach Olaf Scholz’ “Konzertierter Aktion” sei nichts passiert, und nun befinde sich das Parlament in der Sommerpause.

Dagegen verteidigte Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger die Runde im Kanzleramt als “Kick-off-Meeting”, das wichtig gewesen sei, um “ein gemeinsames Verständnis des Problems” zu bekommen.

Fratzscher: “Höhere Löhne sind das beste Instrument”

Dass es indes doch recht unterschiedliche Blickwinkel auf das Problem gibt, wurde direkt im Anschluss deutlich: Während Dulger die IG-Metall-Forderung von acht Prozent mehr Lohn skeptisch sah (“Die Tarifparteien werden vernünftige Lösungen finden”), machte sich DIW-Chef Fratzscher genau dafür stark: “Höhere Löhne sind das beste Instrument”, so der Wirtschaftswissenschaftler, weil sie dauerhaft seien und jeder individuelle Bedürfnisse habe, für die er das Geld dann einsetzen könne. Außerdem sehe er im Moment keine Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale.

“Ich teile die Einschätzung nicht”, konterte Dulger, er sehe die Ursachen der Inflation “auf der Angebotsseite”, also in Energiekosten und Rohstoffknappheit, “das kann man nicht durch Löhne lösen”. Und er gab zu: “Ja, ich habe Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale.”

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