
Mehr Geld, weniger Ausbildung
„Bevor sie einen weiteren Menschen töten“: Die Kritik an ICE wächst
28.01.2026 – 19:10 UhrLesedauer: 2 Min.
Während die Regierung Tausende neue ICE-Kräfte einstellt, wurde ihre Ausbildung deutlich verkürzt. Politiker beider Parteien warnen vor mangelnder Kontrolle und steigenden Risiken.
Sie stehen im Schnee mit Mützen und Handschuhen gegen die Kälte, halten Schilder hoch. „ICE-Mörder! Raus aus unseren Städten!“ steht da, und „Es ist ein guter Tag, um ICE zu schmelzen!“ Die Demonstranten am Abend des 27. Februar sind mit ihrer Wut nicht allein. Die Kritik an der Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, wächst auch auf höherer Ebene.
Nicht nur Demokraten, sondern auch Republikaner mahnen unter anderem die fehlende Ausbildung und Aufsicht der ICE-Einsatzkräfte an. Die republikanische Senatorin aus Alaska, Lisa Murkowski, erklärte, die Tötungen von Renée Good und Alex Pretti durch ICE-Agenten „sollte in der Regierung ernsthafte Fragen aufwerfen, ob die Ausbildung durch die Einwanderungsbehörde sowie die den Polizisten erteilten Anweisungen zur Erfüllung ihres Auftrags angemessen sind“.
Tim Walz, demokratischer Gouverneur von Minnesota, dem Staat, in dem Pretti und Good erschossen wurden, sagte, Trump müsse „diese 3.000 ungeschulten Agenten aus Minnesota abziehen, bevor sie einen weiteren Menschen töten“.
Mit Beginn dieses Jahres ist ICE die bestfinanzierte US-Vollzugsbehörde. Das Budget setzt sich aus einem jährlichen Basisetat von rund 10 Milliarden Dollar und einem zusätzlichen 75-Milliarden-Dollar-Sondertopf aus dem „One Big Beautiful Bill Act“ zusammen. Laut Daten der US-Regierungswebseite USASpending.gov hat die Behörde 2025 etwa 12 Milliarden genutzt, was ihr Mittel in Höhe von 73 Milliarden US-Dollar lässt, die sie bis 2029 übertragen kann.
Durch die Finanzierung konnte ICE 12.000 neue Beamte einstellen. Damit hat sich die Zahl der Mitglieder von zuvor 10.000 mehr als verdoppelt. Außerdem verkürzte die Einwanderungsbehörde die Ausbildungszeit für neue Beamte. Ein ICE-Beamter sagte „The Atlantic“ dazu: Viele der neu Rekrutierten seien „im Rahmen eines normalen Einstellungsverfahrens aussortiert worden“.
Auch Virginias demokratischer Senator Mark Warner hatte zuvor kritisiert, dass die Trump-Regierung die Ausbildung neuer ICE-Agenten von rund fünf Monaten auf nur etwa 47 Tage verkürzt habe. Mehrere US-Medienberichte bestätigen tatsächlich deutliche Kürzungen.
Statt wie früher fünf Monate dauert das Training inzwischen meist nur noch sechs bis acht Wochen, unter anderem weil Sprachkurse gestrichen wurden. Das Heimatschutzministerium räumt eine verkürzte Ausbildung ein. Die Beamten in den Fällen von Good und Pretti waren allerdings seit Jahren im Dienst und hatten wohl noch die längere Ausbildung absolviert.