Nach Tod von Serkan C.: Alle Bahn-Mitarbeiter bekommen Bodycams

Nach Tod von Zugbegleiter Serkan Çalar

Alle Bahn-Mitarbeiter bekommen Bodycams


Aktualisiert am 13.02.2026 – 12:57 UhrLesedauer: 2 Min.

Serkan Çalar im Juni 2025: Der Zugbegleiter hinterlässt zwei Kinder. (Quelle: Screenshot Facebook)

Die Bahn zieht nach dem Tod von Serkan Çalar Konsequenzen: Auf einem einberufenen Sicherheitsgipfel wird nun der Entschluss verkündet.

Bahnchefin Evelyn Palla will noch in diesem Jahr alle Beschäftigten mit Kundenkontakt auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausstatten. Die Sofortmaßnahme soll auch im Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen gelten. Nach einem Bahn-Sicherheitsgipfel am Freitag in Berlin kündigte Palla zudem an, dass ein bereits vorhandener Hilferuf-Knopf weiterentwickelt werden soll. Mit diesem können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gefahrensituationen schon jetzt unauffällig die Leitstelle informieren, so dass die Leitstelle Polizei oder Rettungskräfte am nächsten Bahnhof alarmieren kann.

Weiterhin setzt die Bahn künftig auf bessere Schutzausrüstung für die eigenen Beschäftigten, mehr Verhaltens- und Deeskalationskurse sowie eine Überarbeitung der regionalen Sicherheitskonzepte.

Bereits am Donnerstag hatte der Gesamtbetriebsratschef von DB Regio, Ralf Damde, der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt, die Bahn habe Sicherheitstechnik im großen Stil beschafft: „Wir haben den kompletten Markt leer gekauft“, zitierte die Zeitung Damde. Ab sofort werde es verpflichtende Bodycam-Schulungen für alle 5.200 Zugbegleiter im Nahverkehr geben.

An dem Sicherheitsgipfel nahmen am Freitag Vertreter von Bund und Ländern sowie Gewerkschaften, Verbänden und den Aufgabenträgern für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) teil. Er wurde nach dem tödlichen Angriff auf den 36 Jahre alten Zugbegleiter Serkan Çalar in Rheinland-Pfalz einberufen.

Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt: Serkan Çalar hatte einen Fahrgast kontrolliert, der kein Ticket vorweisen konnte. Der Schwarzfahrer attackierte den Zugbegleiter mit heftigen Faustschlägen – Çalar sank lebensgefährlich verletzt zusammen und starb später im Krankenhaus. Todesursache war laut Staatsanwaltschaft eine Hirnblutung infolge stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Der mutmaßliche Angreifer, ein 26 Jahre alter Grieche, sitzt in Untersuchungshaft.

Mit dem Bodycam-Vorstoß nimmt Palla eine Kernforderung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf. Diese fordert flächendeckend den Einsatz von Bodycams auch mit Tonaufnahme. Damit sollen auch verbale Übergriffe auf Mitarbeiter besser dokumentiert und nachverfolgbar werden. Schon jetzt können Beschäftigte mit Kundenkontakt im Regionalverkehr Bodycams erhalten und tragen.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dringt zudem darauf, dass künftig flächendeckend stets zwei Zugbegleiter in den Regionalzügen Tickets kontrollieren statt wie bisher oft nur einer.

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