Nach Brandanschlag in Berlin soll wieder Strom fließen

Stromausfall

Nach Brandanschlag in Berlin soll wieder Strom fließen

Aktualisiert am 07.01.2026 – 10:35 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Brandanschlag am Samstag traf eine Kabelbrücke über den Teltow-Kanal nahe dem Kraftwerk Lichterfelde. (Quelle: Britta Pedersen/dpa/dpa-bilder)

100.000 Menschen im Dunkeln, kalte Wohnungen, Notunterkünfte. Der längste Stromausfall in Berlins Nachkriegsgeschichte verlangte der Stadt vieles ab. Nun soll wieder Normalität zurückkehren.

Vier Tage nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten sollen nun alle betroffenen Haushalte wieder mit Energie versorgt werden. „Wir fahren heute ab 11:00 Uhr das Stromnetz in den betroffenen Gebieten schrittweise wieder hoch“, kündigte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) an.

„Möglich wurde das auch, weil wir die Großschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt haben“, so Wegner weiter. „Es war richtig, parallel an zwei Standorten zu arbeiten – so konnten die Reparaturen schließlich am Anschlagsort erfolgreich abgeschlossen werden.“

Die Behörden riefen die betroffenen Menschen im Südwesten dringend auf, bis spätestens 10.30 Uhr private Notstromaggregate abzuschalten, um die Stromversorgung insgesamt gewährleisten zu können. Elektrogeräte sollten vom Netz getrennt werden. Während der Wiederanschaltung könne es zu kurzzeitigen Stromunterbrechungen kommen, hieß es weiter. Auch in Warnapps wurde darauf hingewiesen.

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Nach Angaben Wegners waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. Nachdem in den letzten Tagen ein Teil der Betroffenen wieder angeschlossen wurde, waren zuletzt laut Stromnetz Berlin noch 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom.

Der Stromausfall war den Angaben zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Fachleute des landeseigenen Netzbetreibers Stromnetz Berlin und von außerhalb arbeiteten seit Samstag fieberhaft an zwei Stellen an zwei verschiedenen Varianten, um die Versorgung wieder herzustellen. Die Rede war von sehr komplizierten Arbeiten.

Erst im vergangenen September hatte es nach einem Brandanschlag im Südosten der Stadt zu einem rund 60-stündigen Blackout geführt. Damals waren zunächst rund 50.000 Stromkunden von dem Störfall betroffen.

Nach dem neuen Brandanschlag hatte Berlin am Sonntag eine sogenannte Großschadenslage ausgerufen – auch um bei der Bewältigung der Folgen schneller Hilfe vom Bund anfordern zu können. Unter anderem war die Bundeswehr vor Ort, um bei der Betankung von Notstromaggregaten oder der Versorgung von Menschen mit warmem Essen zu helfen.

Dank Notstromaggregaten öffneten etliche Supermärkte bereits ab Montag wieder. Auch Handys hatten vielfach wieder Netz, weil zahlreiche Mobilfunkmasten wieder in Betrieb waren. In Notunterkünften und anderen Anlaufstellen konnten sich Menschen aufwärmen, Handys laden, etwa trinken und essen.

Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Die sogenannten „Vulkangruppen“, die sich zu dem Anschlag in einem von Berlins Innenverwaltung als authentisch eingestuften Schreiben bekannten, sind den Ermittlern bereits länger bekannt. Sie griffen mutmaßlich schon mehrfach etwa Bahnanlagen oder das Stromnetz an.

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