Mutmaßliche Russland-Spionin in Berlin gefasst

Informationen für Russland

Mutmaßliche Russland-Spionin in Berlin gefasst

Aktualisiert am 21.01.2026 – 16:49 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Beschuldigte soll Kontakt in die russische Botschaft unterhalten haben. (Quelle: Christoph Soeder/dpa/dpa-bilder)

Eine Agentin, zwei Ex-Bundeswehrangehörige und ein Kontakt in der russischen Botschaft? Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionage für Moskau – und lässt eine Verdächtige festnehmen.

Der Vorwurf wiegt schwer: Eine Deutsch-Ukrainerin soll für einen Mitarbeiter eines russischen Geheimdienstes in der russischen Botschaft in Berlin Informationen beschafft und ihm beim Kontaktaufbau geholfen haben. Die Frau wurde am Mittwoch in Berlin festgenommen, in mehreren Bundesländern fanden Durchsuchungen statt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Auch zwei ehemalige Bundeswehrangehörige, die mit der Verdächtigen Kontakt gehabt sollen, stehen im Visier der Ermittler.

Die Deutsch-Ukrainerin lebt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur schon seit einigen Jahrzehnten in Deutschland. In der Vergangenheit soll sie Sozialleistungen bezogen haben. Zuletzt bot sie unter anderem Marketing-Dienstleistungen an. Aus Sicherheitskreisen heißt es, als prorussische Netzwerkerin sei sie schon länger bekannt. Im politischen Berlin war sie präsent und nahm an verschiedenen Veranstaltungen von Verbänden und Organisationen teil.

Spätestens seit November 2023 sei die Frau mit ihrem Kontaktmann bei der russischen Botschaft im Austausch gewesen sein, so der Vorwurf der Bundesanwaltschaft. Sie soll Hintergrundinformationen über Teilnehmer bei „hochkarätigen politischen Veranstaltungen“ gesammelt und sich über Standorte der Rüstungsindustrie, Drohnentests und geplante Drohnenlieferungen an die Ukraine erkundigt haben. Dabei habe sich die Beschuldigte auch an ehemalige Mitarbeiter aus dem Bereich des Verteidigungsministeriums gewandt, die sie persönlich kannte, hieß es.

Nach dpa-Informationen richtete sich der vom Generalbundesanwalt verfügte Polizeieinsatz im Zuge der Spionage-Ermittlungen am Mittwoch auch gegen zwei ehemalige Angehörige der Bundeswehr. Dabei handele es sich um einen erst kürzlich in Pension gegangenen Stabsoffizier sowie einen Beamten des höheren Dienstes, der die Bundeswehr vor mehr als 15 Jahren verlassen habe, hieß es aus Militärkreisen.

Die beiden Männer stünden im Verdacht, gegenüber einer „Mittelsperson“, die mutmaßlich im Auftrag des russischen Nachrichtendienstes handelte, „dienstliche Informationen preisgegeben zu haben“. Dafür sollen sie ihre Kontakte in der Bundeswehr genutzt haben. Bei der „Mittelsperson“ dürfte es sich um die Deutsch-Ukrainerin handeln.

Ob die beiden ehemaligen Bundeswehrangehörigen Informationen wissentlich an einen ausländischen Nachrichtendienst weitergaben, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, so die Militärkreise. Mit Bekanntwerden des Verdachts gegen den damals noch im aktiven Dienst befindlichen Stabsoffizier habe der Militärische Abschirmdienst umfassende nachrichtendienstliche Ermittlungen zur Aufklärung der Sache aufgenommen.

Über relevante Zahlungen an die Beschuldigte ist bislang nichts bekannt. Frühere Äußerungen der Frau deuten dem Vernehmen nach darauf hin, dass sie aus Überzeugung handelte. Die Deutsch-Ukrainerin soll ihrem Kontaktmann aus der Botschaft auch geholfen haben, unter Aliassen selbst an politischen Veranstaltungen in Berlin teilzunehmen, damit er dort für den Geheimdienst relevante Kontakte aufbauen konnte.

„Wenn sich die Vorwürfe erhärten, dann haben wir es mit einem besonders schweren Fall geheimdienstlicher Agententätigkeit zu tun, der einmal mehr bestätigt: Deutschland steht weiterhin im Visier des russischen Geheimdienstes“, sagt Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD).

Aktie.
Die mobile Version verlassen