„So, wo samma, sagen die N…“, sagte er laut einer Aufzeichnung der Sitzung. Mit dem Begriff „N-Wort“ wird heute eine früher gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Reiter bat später in einer schriftlichen Erklärung um Entschuldigung: „Bei der Äußerung handelt es sich um ein Zitat aus einem Stück des Künstlers Fredl Fesl, das mir spontan über die Lippen kam bei der Frage, wo wir uns in der Tagesordnung befinden.“ Weiter schrieb Reiter: „Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten. Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um Entschuldigung.“
Alfred Raimund „Fredl“ Fesl (1947-2024) war ein niederbayerischer Musiker, Sänger und Kabarettist. Reiters Parteifreund, der Münchener Stadtrat Roland Hefter, nahm den OB gegen Vorwürfe des Rassismus in Schutz. „Wenn hier jemand dem OB aufgrund dieser Situation Rassismus unterstellt, dann ist er getrieben von Dummheit und Bösartigkeit, sagte Hefter dem Portal „Hallo München“.
Dennoch zeigte sich Reiter im Anschluss zerknirscht ob seiner Äußerung. Ihm sei bewusst, dass der Münchener Stadtrat im Jahr 2022 mit dem Beschluss „N-Wort ächten“ deutlich gemacht habe, dass die Verwendung dieses Begriffs als rassistisch einzuordnen und abzulehnen ist, so der Oberbürgermeister. „Dieser Haltung schließe ich mich selbstverständlich an. Gerade als Oberbürgermeister habe ich eine besondere Verantwortung für einen respektvollen, sensiblen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander“.
Trotz der turbulenten Woche stehen Reiters Aussichten auf eine dritte Amtszeit gut. Bei einer Umfrage von Ende Januar lag der SPD-Politiker mit 45 Prozent Zustimmungswerten unter den Wählern weit vor seinen beiden Konkurrenten. Diese kamen vor rund einem Monat nur auf 20 Prozent Zustimmung. Auch die Zufriedenheit mit der Rathauspolitik insgesamt lag laut letzten Umfragen des Marktforschungsinstituts RMI zuverlässig zwischen 60 und 70 Prozent.
