
„MS Deutschland“
Vom TV-Traumschiff zum Albtraum für die Reederei
Aktualisiert am 29.01.2026 – 18:05 UhrLesedauer: 3 Min.
In der ZDF-Serie lockt das „Das Traumschiff“ Fans vor den Bildschirm. Für die Reederei wurde die „MS Deutschland“ zum Albtraum. Nach Insolvenzen und einem Verkauf kehrt das Schiff mit neuem Konzept zurück.
Seit 1998 schippert die „MS Deutschland“ durch die Weltmeere und musste so manchen Sturm, Skandal und Eigentümerwechsel überstehen. Doch wer den 176 Meter langen Luxusliner heute betritt, fühlt sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Das Schiff fährt im Sommer für den Veranstalter Phoenix Reisen ab Bremerhaven.
An Bord feiern nicht nur die 1920er-Jahre ihre optische Wiederauferstehung, sondern auch das einstige Kaiserreich. Wie auf einem klassischen Oceanliner geht man durch Gänge mit polierter Holztäfelung, vorbei an goldgerahmten Gemälden sowie an Büsten historischer Persönlichkeiten wie die von Goethe, Wagner, Bach und Friedrich II.
Die zehn Decks haben deutschsprachige Bezeichnungen wie Admirals-, Kommodore- oder Steuermanns-Deck, das Theater heißt „Kaisersaal“, der Salon „Lili Marleen“ und die Bar „Zum alten Fritz“. Die Einrichtung im Stil der Belle Époque mit viel Messing, schweren Gardinen, Kordeln und Polstern bildet einen starken Kontrast zu den heutigen Spiel- und Spaßschiffen mit mehr als 6.000 Gästen an Bord. Hier sind es dagegen maximal 520 Passagiere. Auf dem Sonnendeck nimmt man noch auf Liegestühlen aus Teakholz und nicht auf Plastikmobiliar Platz.
Nach der Taufe 1998 durch den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker war die „MS Deutschland“ das Flaggschiff der Reederei Peter Deilmann mit Heimathafen im kleinen Ostseeort Neustadt.
Das in Kiel gebaute Schiff machte kurz darauf als „Das Traumschiff“ in der gleichnamigen Fernsehserie Karriere und geriet erstmals in die Schlagzeilen, weil der Reeder gerichtlich gegen den Schiffsbewertungspapst Douglas Wards vorging: Der hatte in seinem „Berlitz Guide“ dem Schiff keine Bestnote gegeben.
Zu den Besonderheiten gehörte auch, dass es sich bei der „MS Deutschland“ um das letzte unter deutscher Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff handelte. Doch aus Kostengründen sollte das Schiff im Sommer 2012 auf Malta umgeflaggt werden. Dadurch sollte es möglich werden, Billigarbeitskräfte einzustellen und damit Lohnkosten und Kosten für Sozialabgaben einzusparen.
Es gab Streit mit Personal und Gewerkschaften. Der wurde ausgerechnet während der Olympischen Spiele in London ausgetragen und medial ausgeschlachtet. Die „MS Deutschland“ war bei den Spielen als offizielles Hotel- und Gästeschiff vor Ort.