Mit seiner letzten Antwort gibt Novak Djokovic Rätsel auf

Je öfter man ihn in diesen zwei Wochen im Melbourne Park spielen sah, desto klarer wurde aber auch: Hier läuft eine Legende noch einmal zu ganz großer Form auf. Djokovic spielte sich förmlich in einen Rausch, überwand in einer Art metaphysischer Hybris seinen betagten Körper. Der Höhepunkt war zweifelsohne das denkwürdige Halbfinale gegen Jannik Sinner, das er in einem gewaltigen Kraftakt und mit der strategischen List des Altmeisters gegen die erbarmungslose Ballverteilmaschine aus Italien gewann. Es war eines der besten Spiele seiner Karriere.

Im Finale reichten die schamanischen Tricks des schmalen Serben gegen den 22-jährigen Muskelmann Alcaraz aber nicht mehr. Als Djokovic am Ende den Centre Court verließ, zeigte er sich dennoch als fairer Verlierer. Seine Enttäuschung hielt er verborgen. Stattdessen lobte er seinen Gegner überschwänglich und zeigte sich zu Scherzen aufgelegt. „Du bist noch so jung, hast noch so viel Zeit“, sagte er in Richtung Alcaraz. „So wie ich auch. Ich bin sicher, wir werden uns noch häufiger auf dem Platz sehen“, sagte der 38-Jährige – „in den kommenden zehn Jahren“.

Dann bedankte er sich aufrichtig beim australischen Publikum – das wiederum zahlte es dem Serben mit warmen Ovationen zurück. Kurz schien es, als könnte es doch noch eine echte Liebesbeziehung zwischen ihm und dem Turnier in Australien werden. Man kann jedenfalls nur hoffen, dass er nächstes Jahr wiederkommt, um sich erneut gegen die Übermacht der Jugend zu stemmen und den magischen 25. Grand-Slam-Titel zu holen. Er wäre dann alleiniger Rekordhalter. Er würde bei diesem Versuch 39 Jahre alt sein. Ein biblisches Alter im Tennis. Also doch der Abschied?

Schon beim Interview auf dem Court hatte er den Zuhörern Rätsel aufgegeben. Er wisse nicht, was morgen sei, so Djokovic, und erst recht nicht, was in 6 oder 12 Monaten. Klar ist, dass er in diesem Jahr noch einige Turniere spielen will. Aber was kommt dann? Ob es vielleicht doch sein letzter Auftritt in Melbourne gewesen sei, wurde er später von einem serbischen Journalisten gefragt. „Ich komme sicherlich nächstes Jahr zurück“, antwortete Djokovic. Dann setzte er hinzu: „Ob als Spieler, das werden wir sehen.“

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