
„Ist das wirklich notwendig?“
Merz legt bei Kritik am Krankenstand nach
Aktualisiert am 19.01.2026 – 16:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Werden Arbeitnehmer in Deutschland zu oft krankgeschrieben? Ja, befand Kanzler Merz am Wochenende und erntete dafür Kritik. Nun verschärft er seine Argumentation.
Kanzler Friedrich Merz hat seine Kritik am hohen Krankenstand in Deutschland bekräftigt. Bei den durchschnittlich 14,5 Krankentagen, die er am Wochenende genannt habe, seien die kurzfristigen Krankmeldungen von ein oder zwei Tagen noch gar nicht dabei, sagte er nach einer Sitzung des CDU-Bundesvorstandes am Montag. „Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher. Und damit ist der Krankenstand im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch.“
Das gelte auch für den öffentlichen Dienst, betonte der CDU-Vorsitzende. Man suche gerade nach den Ursachen für diese Entwicklung und nach Lösungen. „Eine der Ursachen ist sicherlich auch die leichte Krankschreibung durch telefonische Krankschreibungen.“ Auch Ärzte sagten, sie könnten gar nicht beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig sei, wenn sie den Patienten nicht gesehen hätten, so Merz. Er habe im Übrigen für seine Äußerungen vom Wochenende sehr viel Zustimmung bekommen.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau bei Heilbronn hatte Merz erklärt, dass die Beschäftigten in Deutschland im Schnitt auf 14,5 Krankentage kämen. „Das sind fast drei Wochen in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“, fragte Merz. Am Montag kündigte er Gespräche mit dem Koalitionspartner an. Er wolle mit der SPD „nach Wegen suchen, wie wir den so hohen Krankenstand in einigen Betrieben und insgesamt in unserer Volkswirtschaft und auch im öffentlichen Sektor reduzieren können“, so der Kanzler.
Unterdessen will sich die CDU zu Beginn des wichtigen Wahljahrs 2026 als Reformkraft profilieren – mit einem Maßnahmenkatalog zur Stärkung der Wirtschaft. „Vorrang hat alles, was Wachstum schafft“, fasste Parteichef Merz den Grundgedanken der „Mainzer Erklärung“ zusammen, die der Parteivorstand am Montag verabschiedete. Die Erklärung unterbreitet Vorschläge in den Bereichen Steuerentlastungen, Bürokratieabbau, Sozialreformen und Energieversorgung, die zum Teil über den Koalitionsvertrag mit der SPD hinausgehen.
Mit dem Maßnahmenkatalog reagiert die CDU auf die anhaltend schwache Konjunktur, die durch geringe Wachstumsraten, eine steigende Zahl von Insolvenzen und den Abbau von Arbeitsplätzen gekennzeichnet ist. „Unsere Wirtschaft ist noch nicht wieder ausreichend in Schwung – im Gegenteil“, räumte Merz ein und gab ein Versprechen: „Wir drehen jeden Stein um, damit das Land wirtschaftlich wieder auf Kurs kommt.“