Mercedes-Chef warnt vor EU-Vorgaben

„Schlagen wir so die Chinesen?“


11.06.2026 – 17:46 UhrLesedauer: 2 Min.

Die deutsche Autoindustrie unter Druck: Mercedes-Chef Ola Källenius warnt vor den Folgen der EU-Flottenziele ab 2030. (Quelle: IMAGO/Hwawon Ceci Lee)

Die Chefs der großen deutschen Autohersteller warnen vor den ab 2030 geltenden EU-Flottengrenzwerten: Diese könnten die Wettbewerbsfähigkeit schwächen und den europäischen Standort unter Druck setzen.

Die Spitzen der deutschen Autoindustrie haben bei einer Preisverleihung der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“ im Stuttgarter Neuen Schloss scharfe Kritik an den verschärften EU-Klimazielen ab 2030 geübt. Im Zentrum stehen strengere CO2-Vorgaben und die Gefahr hoher Strafzahlungen für die Hersteller.

Källenius sieht Europa im Rückstand

„Die regulatorische Landschaft in Europa hat uns keinen Rückenwind gegeben und droht uns in der Wirtschaftshierarchie nach unten zu verschieben“, sagte Mercedes-Vorstandschef Ola Källenius bei der Veranstaltung. Europa müsse industriell wettbewerbsfähig bleiben. „Es kann nicht sein, dass wir nach Polen, nach China und in die USA gehen müssen, um rentabel zu produzieren.“ Andernfalls fließe Kapital in andere Regionen ab.

Besonders kritisch sieht Källenius die verschärften Flottengrenzwerte. „Das können richtig dicke Strafzahlungen werden. Schlagen wir so die Chinesen?“, fragte der Mercedes-Chef, der zugleich Präsident des europäischen Herstellerverbands ACEA ist.

Das EU-Parlament in Brüssel: Abgeordnete ringen um neue Grenzwerte. (Quelle: IMAGO/Ardan Fuessmann)

Blume: „Da stimmt doch was nicht“

Auch VW-Chef Oliver Blume warnte vor den Folgen der Vorgaben. Volkswagen verkaufe in Europa bereits einen hohen Anteil an Elektroautos und müsse dennoch mit Strafzahlungen rechnen. „Da stimmt doch was nicht“, sagte Blume. Die Politik könne die Vorgaben nicht immer weiter verschärfen, wenn die Nachfrage nicht entsprechend wachse. „Wir können nicht gegen die Kunden agieren. Es sind die Kunden, die entscheiden, was gekauft wird.“

Blume forderte längere Übergangsfristen, Sonderregelungen für elektrische Kleinwagen und sogenannte „Hypercredits“ für dieses Segment. Kleine Elektroautos seien wirtschaftlich nur schwer darstellbar.

VW-Chef Oliver Blume: Trotz hoher Elektroanteile drohen Strafzahlungen durch die EU-Flottenziele. (Quelle: IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler)

BMW warnt vor EU-Rahmen

BMW-Vorstand Milan Nedeljković äußerte ebenfalls Bedenken. „Wir müssen aufpassen, dass die Rahmenbedingungen gut bleiben“, sagte er. Es gebe „Leitplanken“, die mittelfristig gefährlich werden könnten. Die Elektromobilität sei gesetzt. Entscheidend seien jedoch das Tempo des Umbaus und eine flächendeckende Infrastruktur. Fehle diese, werde der Kunde nicht mitziehen.

Källenius lobte zugleich den Bericht des EU-Parlamentsberichterstatters Massimiliano Salini. Dieser setzt sich für eine Aufweichung des Verbrenner-Aus und für Erleichterungen bei den Klimavorgaben ein. „Der Salini-Bericht kommt einem pragmatischen Ansatz viel näher“, sagte Källenius. „Wir müssen ihn über die Ziellinie bringen. Das wird ein Stück harte Arbeit.“

Share.
Die mobile Version verlassen