Mein Kind ist Tiktok-süchtig – was kann ich tun? Experte gibt Tipps

Begleiteter Umgang

Mein Kind ist Tiktok-süchtig – was kann ich tun?

Aktualisiert am 09.02.2026 – 08:34 UhrLesedauer: 3 Min.

Früher Bravo, heute TikTok: Jede Generation hat sich ihre entwicklungsspezifischen Fragen von Medien beantworten lassen. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmnJ/dpa-bilder)

Unendliches Scrollen, Fakeversprechen, digitale Freunde: Warum Tiktok für Kinder so verlockend ist und wann es zur Sucht wird. Ein Mediencoach gibt Tipps, wie Eltern Warnzeichen frühzeitig bemerken.

Auch wenn Kinder und Teenager gefühlt pausenlos in den sozialen Medien abhängen und Eltern darüber verzweifeln, will Mediencoach Iren Schulz Tiktok und Co. nicht verteufeln. „Die ganze Social-Media-World ist ein wichtiger Baustein, wenn es darum geht, dass Heranwachsende entwicklungsspezifische Antworten auf Fragen finden“, sagt sie.

Ob einst TV-Soaps, Serien, Bravo und Co. – jede Generation habe sich schließlich ihre Fragen von Medien beantworten lassen. Ein erzieherischer Balanceakt für Eltern. „Er besteht darin, die Kinder nicht von den Online-Plattformen auszuschließen, aber auch nicht zu sagen: Feuer frei!“, beschreibt Schulz den Spagat.

Die Medienpädagogin rät Eltern deshalb dazu: „Begleiten Sie ihr Kind! Helfen Sie dabei, die Ecken und Kanten der Tiktok-Welt zu durchschauen. Das ist ganz sicher ein riesengroßer Kosmos – nicht nur mit zeitlichen und inhaltlichen Herausforderungen, sondern auch mit Interaktions-Risiken.“ Einfach ist das nicht:

Iren Schulz gibt aber auch zu bedenken, dass vor allem diejenigen Kinder und Jugendlichen besonders für die Algorithmen und Dauerbeschallung empfänglich sind, denen etwas im realen Leben fehlt. „Hat das Kind vielleicht keine Erfolgserlebnisse? Bekommt es von keiner Seite Verständnis? Was ist mit dem Freundeskreis? Hat es überhaupt einen? Gibt es Hobbys?“

Wenn das alles nicht vorhanden sei, sich der Mittelpunkt der realen Lebenswelt in die sozialen Netzwerke verlagert und die Tiktok-Nutzung zeitlich ausufere, sollten die Alarmglocken schrillen.

Aber kann man da schon von einer Sucht sprechen? Und wo beginnt sie? „Wenn es sich um eine jeweils kurzfristige Begeisterung für ein Medienangebot handelt, wie wir das alle kennen: Ein Buch, das man verschlingt, eine Streaming-Serie, die einen in den Bann zieht oder ein Computerspiel, das einen nicht loslässt – dann ist das keine pathologische Nutzung oder Sucht“, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin.

Anders verhält es sich, wenn die Plattform-Nutzung einen unangemessen hohen Stellenwert einnimmt und Einfluss auf alle Bereiche des Lebens hat. Iren Schulz nennt Beispiele: „Wenn man den Konsum von selbst nicht mehr reduzieren kann, die Körperhygiene vernachlässigt, die schulischen Leistungen absacken, sich Entzugserscheinungen zeigen und überhaupt der Fokus nur noch auf der digitalen Welt liegt, braucht die Familie Hilfe.“

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