
Dumm nur, dass genau das nicht passiert. Denn die Maßnahme wirkt vor allem da, wo es ohnehin schon läuft: bei den Hamburger-Ketten, in den Food Courts der Großstädte, in den Schnellrestaurants von Raststätten und Bahnhöfen.
Dort, wo Kunden reinkommen, schnell futtern, und zügig Platz für die nächsten Gäste machen: Wo der Umsatz hoch und die Läden voll sind, steigen nun die Gewinne. In den Gasthäusern auf dem Land dagegen steigt vorerst vor allem der Mindestlohn – um mehr als einen Euro auf 13,90 pro Stunde. Der Umsatz ist in der Regel zu niedrig, die Gäste bleiben zu lange sitzen.
Diese Wirte brauchen etwas anderes, um überleben zu können: weniger Bürokratie, bessere Ideen, mehr Gäste. Wer Gastronomen zwingt, ein stündliches Reinigungsprotokoll für die Toiletten anzufertigen und aufzubewahren, dokumentiert sein Misstrauen. Er unterstellt, dass es ohne diese Auflage unhygienisch zugehe.
Wer verpflichtende elektronische Zahlungsmethoden durchsetzt, nimmt an, dass an der Theke sonst systematisch Steuern hinterzogen werden. Wer eine lückenlos schriftlich dokumentierte Kühlkette verlangt, verdächtigt die Küche, ansonsten auch mal verdorbenes Essen auf den Tisch zu bringen.
Das mag in Einzelfällen tatsächlich so sein. Doch unter dem Misstrauen des Regelgebers stöhnen auch die Gastwirte, die sich nichts zuschulden kommen lassen. Dass die Bundesregierung sich jetzt vorgenommen hat, einzelne Abfragen nur noch in den Betrieben durchzuführen, die gegen die Regeln verstoßen, ist richtig. Mit dem Umsetzen dieses Plans ist sie allerdings noch nicht weit gekommen.
Die Gastronomie könnte die gewonnene Zeit gut brauchen. Wirte, die nicht nur überleben, sondern größer werden wollen, müssen Social-Media-tauglich arbeiten. Trends zu bemerken und für das eigene Gasthaus zu nutzen, ist genauso wichtig wie ein eigener Auftritt auf den Plattformen. Weil zudem jedes Gericht jederzeit auf TikTok oder Instagram landen kann, werden Qualitätsschwankungen zum Existenzproblem. Im schlimmsten Fall werden sie nicht nur dem Kellner, sondern dem ganzen Land mitgeteilt.
Mehr Gäste werden schließlich erst kommen, wenn die Wirtschaft wächst und die Arbeitsplätze wieder sicherer werden. Eine vernünftige Wirtschafts- und Finanzpolitik würde dafür die Voraussetzungen schaffen – anstatt einzelnen Wirtschaftszweigen Milliardengeschenke zu machen, die alle Steuerzahler finanzieren müssen.