Deutschland „dramatisch unterkapitalisiert“
Immer mehr Versichertenjahre in der Rente
Aktualisiert am 11.06.2026 – 00:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Bürger sammeln mittlerweile im Durchschnitt 39,7 Jahre in der Rentenversicherung. Doch es gibt immer weniger Beitragszahler. Das gefährdet das gesamte System.
Die Überalterung in Deutschland gefährdet zunehmend die Rentensicherheit. Wie die „Bild“-Zeitung aus einer Studie der arbeitgebernahen Initiative Soziale Marktwirtschaft berichtet, wird es ab 2037, wenn die zwischen 1946 and 1964 geborenen Babyboomer in Rente sind, nur noch 1,9 Erwerbstätige pro Rentner geben. Bis 2070 soll die Zahl sogar auf 1,7 Erwerbstätige fallen.
Laut dem Zeitungsbericht rechnet das Institut mit steigenden Beiträgen, wachsendem Druck auf den Bundeshaushalt und möglichen Leistungskürzungen. Hinzu kommt, dass in Deutschland wenig privat in die Rente investiert werde.
„Mit einem Altersvorsorgevermögen von lediglich 6,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – gegenüber einem OECD-Durchschnitt von 95,2 Prozent – ist Deutschland in dieser Dimension dramatisch unterkapitalisiert“, schreiben die Studienmacher laut „Bild“. Private und betriebliche Rentenausgaben liegen demnach in Deutschland bei nur 0,7 Prozent. In den USA oder der Schweiz seien es 5,7 Prozent.
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Die Bürger in Deutschland sammeln auch immer mehr Versichertenjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung. 2025 kamen Versicherte zu Beginn ihrer Altersrente im Schnitt auf 39,7 Jahre, 2005 waren es dagegen nur 32,3 Jahre gewesen. Das geht aus bislang unveröffentlichten Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervor, die dem „Spiegel“ vorliegen. Der Anstieg liegt auch am veränderten Arbeitsmarkt. Insbesondere die Frauenerwerbstätigkeit ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen, ebenso die Arbeitsmarktbeteiligung Älterer.
Mehr Frauen zahlen ein
Frauen in den alten Bundesländern verzeichnen einen besonders starken Anstieg ihrer Versicherungsjahre. Hier nahm die Anzahl zwischen 2005 und 2025 von durchschnittlichen 22,4 auf 36,9 Jahre zu. Bei Frauen in den neuen Bundesländern stieg die Anzahl von 41,1 auf 43,1 Jahre. „Eine steigende Erwerbsbeteiligung und längere Versicherungszeiten führen auch zu höheren Rentenzahlungen bei Frauen und tragen damit zu einer besseren finanziellen Absicherung im Alter bei“, sagte Uwe Hildebrandt dem „Spiegel“. Hildebrandt ist Vorsitzender der Bundesvertreterversammlung der Rentenversammlung. Sie ist so etwas wie das Parlament des Rentenversicherungsträgers. Die Vertreterversammlung beschließt unter anderem die Satzung, stellt den Etat fest und nimmt die Jahresrechnung ab.
Die Zahl der Rentner in Deutschland hat Ende 2025 außerdem einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt wurden rund 19,1 Millionen Altersrenten gezahlt, wie aus einem Bericht der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht, der der „Rheinischen Post“ vorab vorlag. Demnach beliefen sich die Ausgaben der Rentenversicherung auf 301,4 Milliarden Euro.
