Das ist der Grund

Mehr Ärzte, aber weniger Zeit für Patienten


16.03.2026 – 12:57 UhrLesedauer: 3 Min.

Arzt im Gespräch mit Patienten (Symbolfoto): Immer mehr Ärzte in Deutschland arbeiten in Teilzeit. (Quelle: imago-images-bilder)

In Deutschlands Praxen arbeiten immer mehr Ärzte. Doch die Versorgung der Patienten bleibt schwierig. Beim Versorgungsangebot gibt es zudem große regionale Unterschiede.

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Dennoch haben Ärzte für ihre Patienten weniger Zeit. Wie passt das zusammen?

Laut aktueller Arztzahlstatistik der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist die Zahl der Ärzte und Psychotherapeuten im Jahr 2025 um 2.324 auf nun 191.875 Ärzte und Psychotherapeuten gestiegen – das entspricht einem Plus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch viele Ärzte und Psychotherapeuten wählen mittlerweile flexiblere Arbeitszeitmodelle, schreibt die KBV in einer Mitteilung. Statt eine eigene Praxis zu eröffnen, lassen sie sich anstellen oder arbeiten nur in Teilzeit – vor allem bei jüngeren Ärzten sei diese Entwicklung zu beobachten, so KBV-Chef Andreas Gassen. „Diese Entwicklung muss ernst genommen werden“, mahnt er. „Denn ohne die Praxen läuft in der Gesundheitsversorgung so gut wie nichts.“

Im Schnitt aller Fachgruppen nahm der Teilzeitanteil weiter auf 40 Prozent zu. Voll arbeiten nun 98.447 Ärztinnen und Ärzte, das sind zwölf Prozent weniger als vor zehn Jahren. Reduzierte Stundenzahlen haben dagegen 45.795, und das sind deutliche 135 Prozent mehr als 2015. Unter den Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dominiert der Teilzeitanteil schon länger und wächst weiter.

Die KBV warnt: In den kommenden 20 Jahren werden weitere 25.000 in Vollzeit tätige Ärzte aus Altersgründen ausscheiden. Um diese allein auf Teilzeitbasis zu ersetzen, bräuchte es dann 50.000 neue Ärztinnen und Ärzte.

Besonders im Fokus stehen die Hausärzte. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken plant, deren Rolle künftig deutlich auszubauen. In einem sogenannten Primärarztsystem sollen die Hausärzte die verpflichtende erste Anlaufstelle für alle Patienten werden, die den weiteren Verlauf der Patientenreise koordinieren.

Laut Statistik stieg die Zahl der Hausärzte im vergangenen Jahr um 343 auf 55.778. Die Zahl der vollen Kassensitze ging jedoch um 0,1 Prozent zurück. Hier zeigen sich die Folgen des Teilzeittrends. Häufig teilen sich Ärzte einen Kassensitz, der zur Versorgung einer bestimmten Anzahl Menschen vorgesehen ist. Statt einem Arzt in Vollzeit teilen sich dann zwei Ärzte die Arbeit. So steigt zwar die Zahl der Mediziner, mehr Zeit haben diese aber nicht für ihre Patienten.

Gut ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte ist inzwischen auch in Praxen oder Medizinischen Versorgungszentren angestellt und führt selbst keine Praxis mit einer eigenen Kassenzulassung. Während selbstständige Praxisinhaber zwischen 50 und 60 Stunden die Woche arbeiten, ist das Zeitkontingent eines angestellten Arztes mit maximal 40 Stunden je Woche enger gefasst.

Beim Versorgungsangebot vor Ort gibt es weiterhin regionale Unterschiede. Am dichtesten ist das Netz in Heidelberg mit 434,7 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner, wie aus den Daten des Bundesarztregisters mit Stichtag 31. Dezember 2025 hervorgeht. Am wenigsten Ärzte und Psychotherapeuten in diesem Verhältnis gibt es mit 87,6 im Landkreis Coburg in Bayern. Auf Länderebene liegt Hamburg mit 315,1 an der Spitze, Schlusslicht ist Brandenburg mit 199,3 Ärzten und Psychotherapeuten je 100.000 Einwohner.

Zur Gesundheitsversorgung in den Regionen tragen die Praxen der Kassenärzte aber nicht allein bei. Hinzu kommen Krankenhäuser oder Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilberufler. Oft nutzen Patienten und Patientinnen aus ländlichen Gegenden Praxen in nahen Ballungsräumen. Konkret kommt es auch darauf an, wie gut dann die Anbindung mit Bussen und Bahnen ist.

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