Mercedes-AMG GT 4-Türer

Er soll V8-Sportwagen das Fürchten lehren


20.05.2026 – 10:02 UhrLesedauer: 3 Min.

Soll Überzeugungsarbeit leisten: Das Mercedes-AMG GT 4-Türer-Coupé kommt ohne Verbrennungsmotor aus. (Quelle: Mercedes-Benz AG – Communications & Marketing)

Mehr als 1.100 PS, künstlicher V8-Sound und Laden mit bis zu 600 kW: Mercedes-AMG treibt den elektrischen Sportwagen auf die Spitze.

Mercedes-AMG baut ein Elektroauto für Menschen, die eigentlich V8 wollen. Genau darin liegt die Herausforderung für die Sportwagenmarke aus Affalterbach. Denn in diesem Segment kaufen Kunden nicht nur Leistung, sondern auch Klang, Gefühl und Inszenierung – also genau jene Dinge, mit denen sich viele Elektroautos schwertun. AMG versucht deshalb gar nicht erst, den klassischen Sportwagen neu zu erfinden. Stattdessen setzen die Entwickler alles daran, die bekannten AMG-Tugenden in die elektrische Welt zu übersetzen – mit einem enormen technischen Aufwand.

Beeindruckende Werte

Der neue viertürige GT basiert auf einer eigenständigen Elektroplattform namens AMG.EA. Die Produktion soll im Sommer starten, das Auto Ende des Jahres auf den Markt kommen. Schon die Daten zeigen, wohin die Reise geht: Bis zu 1.169 PS Leistung, 2.000 Newtonmeter Drehmoment, 300 km/h Spitze und ein Sprint auf Tempo 100 in 2,1 Sekunden. Interessanter als die reinen Zahlen ist allerdings, wie AMG diese Leistung erreichen will.

Gestreckt: Fast 5,10 Meter lang ist das viertürige Coupé. (Quelle: Mercedes-Benz AG – Communications & Marketing)

Im Mittelpunkt stehen drei sogenannte Axialfluss-Motoren, die von der Mercedes-Tochter Yasa entwickelt werden und künftig im Berliner Werk Marienfelde gebaut werden sollen. Anders als bei herkömmlichen Elektromotoren verläuft der magnetische Fluss dabei nicht quer zur Drehachse, sondern parallel dazu. Das klingt zunächst nach Ingenieursdetail, bringt aber entscheidende Vorteile: Die Motoren bauen deutlich kompakter, liefern besonders viel Drehmoment und sollen ihre Leistung länger konstant halten können. Zwei dieser nur wenige Zentimeter breiten Motoren sitzen an der Hinterachse, ein weiterer an der Vorderachse. Gemeinsam erzeugen sie jene vierstelligen Leistungswerte, mit denen AMG Konkurrenten wie den Taycan Turbo GT oder den Lucid Air angreifen will.

Dauerhaft hohe Leistungen

Extreme Leistungsdaten gehören inzwischen fast schon zum Standard elektrischer Oberklasse-Sportwagen. Schwieriger ist es, diese Leistung dauerhaft abrufen zu können – etwa auf der Rennstrecke oder bei wiederholten Vollgasfahrten auf der Autobahn. AMG begegnet dem Problem mit einer aufwendig konstruierten 800-Volt-Batterie, deren Rundzellen einzeln von einer elektrisch nicht leitenden Flüssigkeit umströmt werden. Die Kühlung stammt teilweise aus Entwicklungen rund um den Formel-1-Hybridantrieb und soll verhindern, dass die Leistung unter Dauerlast früh einbricht. AMG verspricht deshalb ausdrücklich nicht nur kurze Leistungsspitzen, sondern wiederholbar abrufbare Performance.

Da sieht der Hintermann Sterne: Bulliges Heck mit selbstbewusster Inszenierung des Markenlogos. (Quelle: Mercedes-Benz AG – Communications & Marketing)

Auch beim Laden setzt AMG auf maximale Werte. Die 106-kWh-Batterie soll unter idealen Bedingungen mit bis zu 600 kW laden können. Zehn Minuten an einer entsprechend leistungsfähigen Schnellladesäule sollen laut Hersteller für rund 460 Kilometer Reichweite genügen. Solche Ladeleistungen sind bislang allerdings kaum verfügbar. Mercedes und Ionity bauen ein Netzwerk mit entsprechenden 600-kW-Ladern derzeit erst auf.

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