66-Jähriger mit Gangstörung

Bremer Ärzte lösen mysteriösen Fall – Ursache ist verblüffend


Aktualisiert am 06.04.2026 – 08:21 UhrLesedauer: 2 Min.

Chefarzt Prof. Thomas Duning (r.) und sein Team stehen vor einem Rätsel: Warum geht es dem Patienten zunehmend schlechter? (Quelle: Chefarzt Prof. Thomas Duning (r.) und sein Team stehen vor einem Rätsel: Warum geht es dem Patienten zunehmend schlechter?)

Ein Mann kommt mit starken Beschwerden ins Klinikum Bremen-Ost, er kann kaum noch geradeaus gehen. Doch trotz genauer Untersuchung stehen die Mediziner zunächst vor einem Rätsel.

Ein 66-jähriger Mann wird mit starken Gangbildstörungen in die Neurologie-Abteilung vom Klinikum Bremen-Ost eingeliefert wird. Er habe kaum noch geradeauslaufen können, teilt der Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) mit.

Es wurde bereits eine Nervenerkrankung bei dem Mann diagnostiziert, die zu Koordinationsstörungen führt. Doch die Ärzte wundern sich, dass diese so schnell voranschreitet. Das MRT des Rückenmarks zeigt deutliche Defekte an den Hintersträngen, die die Gangstörung erklären. Doch auch das ist keine Erklärung für die massive Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten. Häufige Gründe wie Vitamin-B12-Mangel sind ausgeschlossen.

Als Chefarzt Prof. Thomas Duning und sein Team nochmal die Blutwerte analysieren, fällt eine Kleinigkeit auf: Der 66-jährige Patient hat einen Kupfermangel. „Die Kupferwerte werden normalerweise gar nicht kontrolliert. Solche schlechten Kupferwerte sind extrem selten und haben uns dazu veranlasst, weiter auf Spurensuche zu gehen“, erklärt Duning.

Assistenzarzt Florian Welle zieht Fachliteratur zu Rate und findet dabei tatsächlich einen Fall aus dem Jahr 1900. Damals hatte ein Arzt genau die Symptome des 66-Jährigen bei mehreren Arbeitern einer Zink-Mine festgestellt. Florian Welle stößt schließlich auf den Zusammenhang. „Eine hohe Aufnahme von Zink in den Körper bewirkt, dass das Kupfer ausgeschieden wird. Dadurch kommt es zu krankmachend niedrigen Kupferwerten im Körper“, teilt Geno Nord mit.

Der 66-Jährige hatte natürlich nicht in eine Zink-Mine gearbeitet, aber der rätselhafte Fall scheint gelöst. „In der Fachliteratur findet man nämlich auch die Beschreibung sehr seltener Fälle, in denen ein markanter Übergebrauch von zinkhaltiger Haftcreme für Zahnprothesen zu einem Kupfermangel führen kann“, erklärt Klinikchef Duning. Dieser Kupfermangel könne in ganz seltenen Fällen zu den Defekten der Hinterstränge im Rückenmark führen.

Tatsächlich nutzte der Patient bis zu acht Mal täglich Haftcreme wegen seiner schlechtsitzenden Prothese – entgegen der Dosierempfehlung.

Den Medizinern fällt auf, dass die Haftcreme sehr viel Zink enthält, mehr als andere Produkte. Dunings Team bestellt aus den USA Kupfer-Infusionen, die auf dem europäischen Markt gar nicht so schnell zur Verfügung stehen. Die Haftcreme wird gewechselt und die Dosierung reduziert.. „Die Therapie schlug an. Inzwischen ist der Patient in einer Reha-Klinik und so gut wie symptomfrei“, teilt Geno Nord abschließend mit.

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