Lange gehörte Manchester City zu Europas fußballerischer Elite. Doch der Klub steckt seit Monaten in der Krise – und steht trotz teurer Winter-Transfers womöglich vor einer ungewissen Zukunft.

Carlo Ancelotti brachte auf der Pressekonferenz nach der zweiten Playoff-Partie in der Champions League zwischen Real Madrid und Manchester City das Drama für die Gastmannschaft auf den Punkt. „Ohne Haaland verliert City eine Menge Kraft“, sagte der Trainer der Madrilenen und hatte damit zumindest eine Teilerklärung für den biederen Auftritt des Gegners gefunden. Denn ohne den angeschlagenen Norweger, der über 90 Minuten auf der Auswechselbank schmorte, stellte sich am Dienstagabend im Estadio Santiago Bernabéu überhaupt nicht mehr die Frage, ob City Real im Kampf um das Achtelfinale gefährlich werden könnte. So gnadenlos unterlegen waren die Engländer.

Am Ende leuchtete auf der Anzeigetafel der Arena ein 3:1 für die „Königlichen“ auf. Es hätte nach Schlusspfiff auch 4:1, 5:1 oder 6:1 für Real stehen können, wäre das Heimteam nicht so fahrlässig mit seinen Möglichkeiten umgegangen. So oder so stand aber fest: Das, was in Madrid an diesem Dienstagabend passiert war, kam einer Machtdemonstration gleich. Einer, die noch vor einigen Monaten in dieser Form nicht zu erwarten gewesen wäre.

Denn über Jahre hinweg hatte Manchester City sich als die fußballerisch dominanteste Mannschaft des europäischen Spitzenfußballs präsentiert. Praktisch jeder Gegner war dem filigranen Aufbauspiel und dem überproportional hohen Ballbesitz der Mannschaft von Startrainer und „Mastermind“ Pep Guardiola hoffnungslos ausgesetzt.

Auf dem sportlichen Olymp hatte sich der Klub mit dieser Herangehensweise dann im Sommer 2023 gewähnt. Damals war es City gelungen, das Triple aus englischer Meisterschaft, englischem Pokal und der Champions League zu gewinnen. Das Starensemble um Ex-Bundesligaprofi Kevin de Bruyne, Ballon-d’Or-Sieger Rodri und eben Toptorjäger Erling Haaland galt damit in den vergangenen beiden Jahren vor der Saison jeweils als der ärgste Konkurrent von Dauer-Königsklassen-Sieger Real, wenn es darum ging, noch einmal Europas Thron zu besteigen. Doch diese Zeiten scheinen plötzlich vorbei zu sein – und sind offenbar auch nicht einfach mit horrenden Transferausgaben wiederzubeleben.

Fest steht zunächst einmal: Die aktuelle Spielzeit ist für Manchester City nach den eigenen Ansprüchen eine zum Vergessen. Viermal in Folge hatte man zuletzt die englische Meisterschaft gewinnen können, vergangene Saison die sechste in den jüngsten sieben Jahren. Doch die schier Unbesiegbaren, die Pep Guardiola seit 2016 zu eben jenen geformt hatte, sind kollabiert – auf eine Art und Weise, die noch zu Beginn der Spielzeit von niemandem für möglich gehalten werden konnte.

In die Saison war City nämlich durchaus gut gestartet, thronte in der Liga nach neun Spieltagen ungeschlagen auf Rang eins. Dann folgte das überraschende Aus im Achtelfinale des Ligapokals gegen Tottenham Hotspur (1:2) Ende Oktober und damit der Anfang vom Ende der jahrelangen sportlichen Dominanz.

Im November war City nämlich plötzlich völlig von der Rolle, verlor vier Pflichtspiele in Serie, darunter 1:4 in der Champions League bei Sporting Lissabon und 0:4 zu Hause in der Liga gegen Pokalschreck Tottenham. Als Ende des Monats Feyenoord Rotterdam in der Königsklasse zu Gast war, schien der Fluch zunächst gebrochen zu sein, stand es bis zur 75. Minute doch 3:0 für die „Skyblues“ (zu Deutsch: „Himmelblauen“). Doch den Niederländern gelang es tatsächlich, das Ergebnis noch auf 3:3 zu stellen. Der nächste Tiefschlag für Guardiola und sein Team. Vom 54-Jährigen gingen im Anschluss Bilder um die Welt, die seine sichtbar lädierte Glatze und einen tiefen Kratzer in der Nase zeigten. Geschuldet waren die Verletzungen offenbar Guardiolas Selbstgeißelung während der Partie, geboren aus der eigenen Verzweiflung.

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