Maltesisches Archipel
Mittelmeerinsel zieht Reißleine: Besucherzahl halbiert
01.04.2025 – 11:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Klein, türkis, überlaufen: Die maltesische Insel Comino war einst ein Geheimtipp. Heute platzt sie in der Hochsaison aus allen Nähten.
Die maltesische Insel Comino will den Massentourismus eindämmen – und zieht dafür eine klare Grenze. Wie die BBC berichtet, führen die Behörden in diesem Jahr eine Besucher-Obergrenze ein. Künftig dürfen täglich nur noch 5.000 statt bislang bis zu 10.000 Tagesgäste das kleine Eiland zwischen Malta und Gozo betreten. Wie genau die Behörden die drastische Maßnahme durchsetzen wollen, ist nicht bekannt.
Comino gilt als Naturparadies mit Postkartenkulisse. Die nur drei mal fünf Kilometer große Insel ist sonnengeküsst, vom schimmernden Mittelmeer umgeben und galt eins als fast menschenleerer Zufluchtsort. Heute ist die winzige Insel ein Touristenmagnet. Vor allem die berühmte „Blaue Lagune“ und Orte, an denen Blockbuster wie „Game of Thrones“, „Troja“ oder „Der Graf von Monte Cristo“ gefilmt wurden, ziehen in der Hochsaison die Menschenmassen an.
Die maltesische Reiseleiterin Joanne Gatt erlebt die Folgen des Massentourismus auf Comino täglich. Viele Gäste kämen mit hohen Erwartungen und würden enttäuscht, sagte sie der BBC. „Sie reisen in der Hoffnung auf ein Paradies an und finden Chaos. Überfüllt, unübersichtlich. Hoffentlich bewirkt die neue Regelung eine echte Veränderung.“
Auch Umweltschützer begrüßen die neue Besucherobergrenze, sehen aber weiteren Handlungsbedarf. Denn Comino steht (zumindest auf dem Papier) unter besonderem Schutz. Als Natura-2000-Gebiet soll das Eiland nicht nur touristisch genutzt, sondern auch ökologisch bewahrt werden.
„Die Begrenzung der Anzahl ist ein guter Anfang“, sagte Mark Sultana, Geschäftsführer der Organisation BirdLife Malta, der BBC. „Aber wir brauchen einen öffentlichen Nachhaltigkeitsplan, der sich nicht nur auf die Kontrolle der Besucherzahlen konzentriert, sondern auch auf den Erhalt des empfindlichen Ökosystems von Comino.“ Sultana fordert ein zentrales Ticket-Kontrollsystem, das den Zugang zur Insel regelt: „Nur eine begrenzte Anzahl von Tickets pro Tag darf ausgegeben werden.“
Nicht nur Comino kämpft mit Overtourism. Auch andere Mittelmeer-Destinationen ziehen längst Konsequenzen. In Venedig zahlen Tagesgäste inzwischen Eintritt, in Athen gibt es eine Obergrenze für Besucher der Akropolis. Auch Reiseziele an anderen Orten der Welt drängen darauf, die Kontrolle zu behalten – wie Japan.