Kommentare nach CSD-Aktivitäten

Hass gegen queeres Leben: Viele schreiben offenbar unter Klarnamen

07.07.2026 – 04:58 UhrLesedauer: 2 Min.

Regenbogenfahnen wehen vor dem Fernsehturm (Archivbild): Der Hass im Internet erreicht eine neue Dimension. (Quelle: IMAGO/epd)

Knapp 1.000 Hasskommentare prasselten auf den LSVD Berlin-Brandenburg ein. Bei der Auswertung mit der Polizei fiel ein Detail auf, das kaum jemand erwartet hätte.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg hat innerhalb von zwei Wochen knapp tausend Hasskommentare erhalten. Auslöser waren nach Angaben von Geschäftsführer Florian Winkler-Schwarz die Aktivitäten des Verbands rund um die Christopher Street Days in Brandenburg. In dieser Dimension habe man das noch nie erlebt, sagte er dem „Tagesspiegel“.

Bemerkenswert ist, wer hinter den Kommentaren steckt: 99 Prozent erreichten den Verband über Facebook, und bei 80 Prozent davon stellte der LSVD gemeinsam mit der Polizei fest, dass sie mit Klarnamen verfasst wurden. Viele Kommentare bewegten sich sehr genau an der Grenze des Legalen; die Verfasser wüssten offenbar, was sie schreiben. Das Ganze sei organisiert – die Polizei habe bestätigt, dass solche Hasskampagnen in Telegram-Gruppen koordiniert würden.

Winkler-Schwarz: Stimmung im Netz übertrage sich auf Leben

Als Reaktion startet der Verband mit „QueerSafe Berlin“ eine neue Fachstelle gegen queerfeindliche Gewalt im Netz. Sie berät Betroffene psychosozial und juristisch und kann als sogenannter Trusted Flagger über die Organisation Hate Aid bevorzugt Löschungen auf den Plattformen durchsetzen. Dank einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft können Anzeigen direkt im Beratungsgespräch gestellt werden.

Kritik übte Winkler-Schwarz an der Politik, die zu wenig gegen Hass in sozialen Medien tue; zuletzt seien knapp 800 Fälle queerfeindlicher Gewalt in einem Jahr gezählt worden. Die Stimmung im Netz übertrage sich auch auf das reale Leben: „Soziale Medien sind eben nicht sozial“, sagte er. Zum Schutz rät der Verband unter anderem, die Privatsphäre-Einstellungen der eigenen Profile zu überdenken und wiederkehrende Schlüsselwörter über die Filterfunktion von Meta auszublenden.

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