„Kein respektvoller Umgang“
Biberratte als Burger: Lokal bietet Nager-Fleisch an
25.03.2026 – 19:49 UhrLesedauer: 2 Min.
Niedersachsen hat ein Nager-Problem. Die Tiere richten großen Schaden an. Deshalb sind sie zur Jagd freigegeben. Um das Fleisch nicht zu vergeuden, kommt es in einem Restaurant auf den Teller.
Ein Lokal in Lingen im Emsland bietet das Fleisch von Biberraten zum Verzehr an. Es soll geschmacklich an Kaninchen oder junges Wild erinnern, beschreibt das Restaurant Kanuhof zur Ems den Geschmack in einem Prospekt. Bei den Gästen stoße das ungewöhnliche Produkt auf viel Interesse, erklärte Wirt Uwe Berger dem NDR.
Die auch als Nutrias bekannten Biberratten sind Nagetiere, die ursprünglich aus Südamerika stammen, sich mittlerweile aber auch in Deutschland angesiedelt haben. Sie leben bevorzugt in Ufernähe von Flüssen oder stehenden Gewässern.
Doch dort richteten sie in der Vergangenheit immer wieder große Schäden an, zum Beispiel an Deichen. In ganz Niedersachsen gibt es hohe Schadensmeldungen durch die Nagetiere. Besonders schlimm sei die Lage im Emsland, berichtete der NDR. Nutrias seien deshalb zum Abschuss durch Jäger freigegeben. Allein 2025 sollen dort rund 7.800 Tiere erlegt worden sein.
„Die meisten Jäger nehmen sich hinten nur die Schwanzspitze ab“, erklärte Weidmann Martin Brack im NDR. Denn dafür gebe es von den Landkreisen sieben Euro „als Schwanzprämie“. Doch aus Bracks Sicht sei das „kein respektvoller Umgang mit so einer Kreatur“. Deshalb habe er sich auf die Suche nach Gastronomen gemacht, die das Fleisch der Tiere verarbeiten wollen. Mit Uwe Berger wurde er fündig.
Er bietet das Fleisch im Rahmen von „Nutria Buffets“ in unterschiedlichen Variationen an, etwa als Steak, Burger, Ragout oder Gulasch. Es sei mager, nährstoffreich und aufgrund der Tatsache, dass es Wildfleisch sei, nicht industriell verarbeitet, heißt es in einem Prospekt auf der Homepage des Lokals. Das Angebot richte sich an Gäste, „die bewusst genießen und Wert auf Herkunft, Transparenz und Nachhaltigkeit legen.“
Im Gespräch mit dem NDR berichtete Gastronom Berger, viele Gäste seien von dem Geschmack begeistert. Andere würden dagegen das Kopfkino nicht losbekommen. „Die sagen dann zum Beispiel: ‚Sieht aus wie eine Ratte! Das geht ja gar nicht‘ und bekommen es auch nicht durch den Hals.“ Dennoch wolle er das Fleisch zukünftig bekannter machen – auch, wenn er nicht daran glaubt, dass sich das Nutria-Problem in der Region damit lösen lässt.
