Benjamin Ferencz jagte Adolf Hitler, in den Nürnberger Prozessen klagte der Jurist Massenmörder an. Im Interview berichtete er t-online im Jahr 2021, wie er Beweise in Konzentrationslagern fand.

Er war der letzte noch lebende Ankläger der Nürnberger Prozesse: 2023 ist der US-Jurist Benjamin Ferencz im Alter von 103 Jahren gestorben. „Die Welt hat einen Anführer im Kampf für die Gerechtigkeit für Opfer von Genozid und damit verbundenen Verbrechen verloren“, schrieb das US-Holocaust-Museum damals bei Twitter, heute X.

Nun startet der Film „Nürnberg“ in den deutschen Kinos, es geht um den Naziverbrecher Hermann Göring (gespielt von Russell Crowe), der beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt worden ist und vor der Vollstreckung Suizid 1946 begangen hatte.

Aus diesem Anlass finden Sie hier das Interview, das Benjamin Ferencz 2021 t-online gegeben hat. Dabei sprach er darüber, wie er einst Adolf Hitler auf der Spur war, auf welche Weise er das Grauen der deutschen Konzentrationslager bei der Befreiung erlebte und über seine eigene Rolle als Chefankläger im Nürnberger Einsatzgruppen-Prozess (Stand 2021):

t-online: Herr Ferencz, vor 75 Jahren fielen im Nürnberger Prozess die Urteile gegen einige der größten Verbrecher der Geschichte. Was haben Sie in diesem Augenblick gedacht?

Benjamin Ferencz: Es war ein sehr gutes Gefühl. Das Recht hatte wieder die Oberhand über die Gewalt gewonnen. Eine Tatsache bedauere ich aber bis heute.

Ich habe Adolf Hitler leider nicht erwischt. In den letzten Kriegstagen hatte ich mich auf die Jagd nach dem „Führer“ begeben. Mit meinem Jeep fuhr ich bis nach Berchtesgaden, weil viele dachten, dass sich Hitler dort oben auf dem Obersalzberg verschanzt habe.

Aber Hitler hatte bereits in seinem Bunker in Berlin Suizid begangen.

Das war sehr ärgerlich! Nachdem ich diesen Kerl in Berchtesgaden nicht gefunden hatte, machte ich mich schleunigst auf nach Berlin. Aber die Russen hatten schon entdeckt, was noch von Hitler, Eva Braun und seinen Hunden übrig geblieben war.

Sie haben das Grauen bei der Befreiung mehrerer deutscher Konzentrationslager mit eigenen Augen gesehen. Haben Sie jemals das Bedürfnis nach Rache verspürt?

Nein, Rache ist eine schreckliche Sache. Selbst angesichts dessen, was ich in den Konzentrationslagern erlebt habe. Es war der Blick in die Hölle: Horror, Horror, Horror. Überall lagen Tote, in der Luft stand der Gestank von verbrannten Menschen. Die Überlebenden waren zu Skeletten abgemagert, ihre Augen schrien nach Hilfe. Viele krochen mit letzter Kraft zu den Müllhaufen, um sie auf der Suche nach einem Kanten Brot zu durchwühlen. In allen deutschen Konzentrationslagern, die ich gesehen habe, war es gleich: Tod und Unmenschlichkeit.

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