Leipziger Ärzte setzen auf Capsaicin

Neuartige Therapie

Mediziner setzen Chili-Pflaster gegen chronische Schmerzen ein


08.01.2026 – 10:53 UhrLesedauer: 2 Min.

Chronische Schmerzen: Sie machen das Leben vieler Menschen zur Qual. (Quelle: VioletaStoimenova/getty-images-bilder)

Neue Hoffnung für Schmerzpatienten: In Leipzig setzen Mediziner auf den Scharfstoff aus Chilischoten. Wann sich die Behandlung eignet und was Patienten erwartet.

Zwölf Millionen Menschen in Deutschland leben mit chronischen Schmerzen. Anders als akute Beschwerden bleiben sie oft dauerhaft bestehen. Besonders häufig betroffen sind Rücken, Kopf und Gelenke. Auch Erkrankungen wie Migräne oder Fibromyalgie spielen eine Rolle.

Was diese Schmerzen so tückisch macht: Der Auslöser spielt irgendwann keine Rolle mehr. Der Körper lernt den Schmerz quasi – er bleibt, auch wenn die ursprüngliche Ursache längst verschwunden ist. An dieser Stelle setzt eine neue Behandlung am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) an.

Seit Kurzem ergänzt das Schmerzteam des UKL sein Therapiekonzept um ein starkes pflanzliches Mittel: den Scharfstoff Capsaicin, bekannt aus Chilischoten. „Für uns in der Schmerztherapie bietet der hochkonzentrierte Wirkstoff eine neue Option, um bei besonders belastenden und schwer zu lindernden Nervenschmerzen eingreifen zu können“, sagt Stephan Scheike, Anästhesist und Leiter der Schmerztagesklinik.

Capsaicin dämpft die Schmerzreize direkt an den Nervenenden. Die Behandlung erfolgt über ein Pflaster, das auf die betroffene Hautstelle aufgebracht wird. „Die Konzentration ist dabei sehr hoch, weshalb die Pflaster nur unter Aufsicht und kurzzeitig aufgebracht werden können“, so Scheike.

Zum Einsatz kommt das Pflaster insbesondere bei Patienten mit Nervenschmerzen, etwa nach einer Gürtelrose. Auch andere Schmerzformen, die sich bislang als therapieresistent erwiesen haben, könnten von der neuen Methode profitieren.

Die Nachfrage ist groß, doch Scheike macht Betroffenen Mut: „Wir haben regelmäßig auch Terminverschiebungen mit kurzfristig frei werdenden Plätzen, sodass wir lange Wartezeiten bisher gut verhindern können.“

Wichtig ist: Wer über längere Zeit unter Schmerzen leidet, sollte ärztlichen Rat suchen – besonders, wenn die Beschwerden den Alltag einschränken. Eine Abklärung in einer Schmerzambulanz kann klären, ob eine ambulante oder tagesklinische Behandlung infrage kommt.

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