Leichtsinnige Bergwanderer werden ab jetzt zur Kasse gebeten

Berg- und Höhlenrettung

Italien: Leichtsinnige Bergwanderer werden ab jetzt zur Kasse gebeten


Aktualisiert am 26.01.2026 – 16:20 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Rettungshubschrauber der Bergrettung in Italien: Ein neues Gesetz sorgt in den Abbruzzen für Diskussionen. (Quelle: Roman Rybaleov)

Immer mehr Wanderer lösen in Abruzzo Rettungsaktionen der Bergwacht aus. Diese sind teuer – und offenbar nicht immer gerechtfertigt.

Mit Turnschuhen auf den Berg, ohne Wasser oder Berücksichtigung des Schwierigkeitsgrads des Weges? Wanderer, die in der italienischen Region Abruzzo einen Rettungseinsatz im Apennin auslösen, ohne wirklich in Not zu sein, werden ab sofort zur Kasse gebeten. Mit ihrem Beschluss (Delibera n. 13 vom 19. Januar 2026) reagiert die Regionalregierung auf die stark gewachsene Zahl der Berg- und Höhlenrettungen in den vergangenen Jahren, wie italienische Medien berichten.

Der Beschluss wurde nur einen Tag nach einem Rettungseinsatz auf dem Monte Ocre (2.202 Meter) gefasst. Zwei junge Männer aus Rom hatten sich ohne passende Ausrüstung auf den Weg gemacht und mussten bei widrigen Witterungsbedingungen vom Berg geholt werden.

Grundsätzlich bleibt die Rettung kostenlos, wenn ein echter medizinischer Notfall vorliegt, heißt es im Beschluss. Dafür muss die Einsatzzentrale 118 den Einsatz anordnen, es müssen tatsächliche Bedingungen von „Notfall oder medizinischer Dringlichkeit“ bestehen, und der Transport muss in ein Krankenhaus oder zur Untersuchung in eine Notaufnahme führen, heißt es.

An den Kosten des Rettungseinsatzes beteiligen muss sich hingegen, wer einen Einsatz in unwegsamem Gelände auslöst und dann keine medizinische Behandlung oder Diagnostik in der Notaufnahme in Anspruch nehmen muss. Zahlen sollen auch Personen, die einen Notfall vorgetäuscht haben sowie jene, die nach dem Transport ins Krankenhaus die Untersuchung verweigern oder die Notaufnahme vorzeitig verlassen.

Die Gebühren hängen laut Beschluss von der Art des Einsatzes und vom Wohnsitz des Geretteten ab. Für Hubschraubereinsätze zahlen Nichteinwohner ab jetzt 25 Euro pro Minute (maximal 1.500 Euro) und Einwohner der Abruzzen 20 Euro pro Minute (maximal 1.200 Euro).

Bei Einsätzen von Bodenteams werden für Ortsfremde ab der zweiten Stunde 75 Euro pro Stunde fällig (maximal 1.000 Euro), für Einwohner 60 Euro (maximal 800 Euro). Bei nachgewiesener Fahrlässigkeit oder Leichtsinn – etwa falscher Ausrüstung, Touren abseits markierter Wege oder bei schlechtem Wetter – steigen die Tarife um 30 Prozent.

Die neue Regelung der Regionalregierung löste auch Kritik aus. Viele halten die unterschiedliche Behandlung von Einwohnern und Nichteinwohnern für unfair. Andere warnen, dass Wanderer aus Angst vor Kosten im Ernstfall zu spät Hilfe rufen könnten.

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