Überbelegung und Alkohol

Todesfälle in Flüchtlingsunterkunft in Tempelhof

02.04.2026 – 17:39 UhrLesedauer: 2 Min.

Zwei Geflüchtete in der Anlage auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens (Archivbild). (Quelle: IMAGO/imago)

Schon länger steht die Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Tempelhof in der Kritik. Jetzt werden weitere Todesfälle publik. Mitarbeiter der Einrichtung finden deutliche Worte.

In der Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin sind mehrere Menschen gestorben. Drei Geflüchtete starben nach einer Alkoholvergiftung, zwei weitere durch Suizid. Das bestätigte das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) der Nachrichtenagentur dpa. Zu einem der Todesfälle soll es in diesem Jahr gekommen sein, zu den anderen sei es 2025 gekommen. Zusätzlich habe es in diesem Jahr zwei Suizidversuche gegeben. Zuvor hatte der „Tagesspiegel“ berichtet.

Nach Angaben eines Sprechers des LAF lebt in der Unterkunft auch eine Gruppe von 50 bis 60 Menschen, die ein Alkoholproblem habe. Die meisten von ihnen seien älter – und hätten eine „längere Historie“ mit Alkoholmissbrauch. Innerhalb der Einrichtung sei Alkohol verboten, außerhalb des Geländes lasse sich dies aber nicht überprüfen.

Rund einmal im Monat kommt es laut dem Sprecher zu so gravierender Gewalt, dass sie direkt dem Amt gemeldet werden muss. „Wenn es zu Auseinandersetzungen kommt, dann ist oft auch Alkohol mit im Spiel“, sagte er. „Wir reden hier über harten Alkohol. Das ist wirklich eine Herausforderung für die Leute, die da arbeiten.“

In der Politik sind die Probleme der Einrichtung bekannt. Berlins Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Cansel Kiziltepe (SPD), räumte ein: „Wir wissen, dass Notunterkünfte wie in den Tempelhofer Hangars keine guten Voraussetzungen für die Integration geflüchteter Menschen sind.“

Gleichzeitig sei die Einrichtung aktuell alternativlos: „Weil wir die Einrichtung aber aktuell nicht schließen können, haben wir im Rahmen der Möglichkeiten eine Reihe von Verbesserungen umgesetzt, die den Menschen dort das Leben erleichtern sollen.“

Erste Verbesserung gebe es bereits: Mehr Mitarbeitende, die Russisch und Ukrainisch sprechen, seien eingestellt worden. Zudem würden Beratungsangebote für Menschen mit Alkoholproblemen angeboten, Psychologinnen und Psychotherapeutinnen sollen die Geflüchteten bei der Traumaaufarbeitung unterstützen.

Im Bericht des „Tagesspiegel“ stellen Mitarbeiter der Unterkunft die Lage anders dar: Besonders im vergangenen Jahr habe sich die Situation weiter verschlechtert. Nachdem im Dezember 2025 die Notunterkunft in Tegel geschlossen wurde, seien viele Geflüchtete von dort nach Tempelhof verlegt worden.

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