Kritik an Schröders Putin-Besuch

„Eine Schande für Deutschland“

Aktualisiert am 09.10.2026 – 08:13 UhrLesedauer: 2 Min.

Altkanzler Gerhard Schröder (l.) und Kremlchef Putin: Die beiden sollen sich in Moskau getroffen haben. (Quelle: Screenshot/X@tass_agency)

Auf seiner jüngsten Russland-Reise besuchte Altkanzler Schröder seinen alten Freund Putin. Anlass: der 74. Geburtstag des Kremlchefs. Reaktionen aus der Heimat lassen nicht lange auf sich warten.

Nach seinem Besuch der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau steht Altkanzler Gerhard Schröder massiv in der Kritik. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Nach Kreml-Angaben hatte Schröder am Mittwoch mit Kremlchef Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert.

Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet.

Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. „Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und „eine frische Ladung Rubel“. Er fügte hinzu: „Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder“. 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.

Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, schrieb: „Das ist Verrat an Europa und am eigenen Land. Wer Schröder öffentlich und demonstrativ die Hand schüttelt, will damit ein Statement setzen.“

Janis Kluge, Leiter der Abteilung „Osteuropa und Eurasien“ bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), schrieb auf X: „Ist der echt noch SPD‑Mitglied? Bin mir über den aktuellen Stand unsicher.“

Putin hatte Schröder eingeladen

Der Kreml hatte auf der Plattform Telegram mitgeteilt, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren. „Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“, hieß es weiter. Gezeigt wurden auch Fotos, die zeigen, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.

Vor der Party hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.

Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem kombinierten Angriff mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein „Geburtstagsgeschenk für Putin“.

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