Kritik an SNCFs neuer kinderfreier „Optimum-Klasse“ im TGV

„Diskriminierung“

Kinder in Luxusklasse verboten – Aufschrei in Frankreich


27.01.2026 – 11:22 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein TGV im Bahnhof Montparnasse (Symbolbild): In einem Luxussegment kann man seit Kurzem einen kinderfreien Waggon buchen. (Quelle: IMAGO/Markus Mainka)

TGV-Sitzplätze in völliger Stille waren in Frankreich offenbar stark nachgefragt. Die Bahngesellschaft reagierte und erhält nun Gegenwind.

Die „Optimum-Klasse“ umfasst flexible Tickets, einen speziellen Kundenservice und einen exklusiven 1.-Klasse-Wagen, der laut SNCF für „Privatsphäre“ und „Zugang zu einem ruhigen, exklusiven Bereich an Bord“ konzipiert ist. Kinder sind in diesem Bereich nicht erlaubt. Die Preise variieren je nach Strecke. Eine Fahrt von Paris nach Lyon kostete etwa vergangene Woche 132 Euro in der traditionellen ersten Klasse, während ein Sitzplatz in der „Optimum Plus“-Klasse mit 180 Euro zu Buche schlägt.

Doch schon kurz nach der Einführung häuft sich die Kritik. Sarah El Haïry, Hochkommissarin für Kinder im französischen Ministerium für Gesundheit, Soziales und Arbeit, äußerte sich in einem Instagram-Beitrag kritisch: „Angesichts des Drucks der #NoKids-Bewegung darf SNCF nicht nachgeben.“ Sie bezog sich dabei auf den Trend, kinderfreie Räume zu schaffen, der durch soziale Medien verstärkt wird.

Auch die Unternehmerin und Podcasterin Stéphanie d’Esclaibes sieht die Maßnahme kritisch. „Die Entscheidung der Bahngesellschaft stellt eine direkte Diskriminierung von Kindern dar“, sagte sie CNN. „Ich verstehe, dass man Ruhe im TGV braucht, wenn man arbeiten möchte, aber ich denke auch, dass dies nicht auf Kosten einer sozialen Gruppe, nämlich der Kinder, geschehen sollte.“ Sie plädierte dafür, Räume für Kinder und Familien neu zu überdenken.

Die Essayistin Naïma M’Faddel kritisierte die Maßnahme ebenfalls scharf. In einem Beitrag auf X schrieb sie: „SNCF erfindet eine ‚Optimum‘-Klasse … ohne Kinder. In einem Land, das sich Sorgen um seine Geburtenrate macht, ist dieses Signal katastrophal.“ Sie verwies darauf, dass Frankreich im vergangenen Jahr erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg mehr Todesfälle als Geburten verzeichnete.

Die Bahngesellschaft verteidigt sich gegen die Vorwürfe. „Diese Optimum-Sitze machen nur acht Prozent des verfügbaren Platzes in unseren Zügen von Montag bis Freitag aus. Das bedeutet, dass 92 Prozent der anderen Plätze für alle verfügbar sind, und 100 Prozent an Wochenenden“, erklärte eine SNCF-Sprecherin CNN.

„Ich kann Ihnen sogar sagen, dass wir seit Jahren unter Druck stehen, den Zugang von Kindern zu bestimmten Bereichen unserer Züge einzuschränken. Das haben wir immer abgelehnt. Unsere Dienstleistungen sind für alle konzipiert, und natürlich auch für Familien“, fügte sie hinzu.

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