Nahostexperte bei „Lanz“

„Der eigentliche Bluthund ist noch da“


09.04.2026 – 03:15 UhrLesedauer: 3 Min.

Einflussreicher Mullah: Der iranische Justiz-Chef Gholamhossein Mohseni-Esche’i. (Quelle: IMAGO/Icana)

Von Erleichterung über die brüchige Waffenruhe keine Spur: Stattdessen zog Markus Lanz mit zwei Journalisten ein fatales Zwischenfazit der Lage am Golf.

„Wir wissen jetzt während unseres Gesprächs nicht, ob die Straße von Hormus wirklich frei ist oder nicht“, beschrieb Markus Lanz gleich zu Beginn die – auch nach der Waffenruhe-Vereinbarung – unsichere Gemengelage am Golf.

Über die Frage, wie es dort jetzt weitergehen könnte, sprach der Moderator in einer 45-minütigen Spätausgabe seines Talks am Mittwochabend mit zwei ausgewiesenen Experten: der langjährigen USA-Korrespondentin Annett Meiritz und dem Chefredakteur des Nahost-Magazins „Zenith“, Daniel Gerlach. Die beiden Journalisten teilten seine Skepsis gegenüber der Sieges-Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump und seines Kriegsministers Pete Hegseth.

Rhetorik und Realität klafften bei Trump immer weiter auseinander, deshalb verliere er an Wucht, analysierte Meiritz. Der Iran-Krieg habe die „planlose Nicht-Strategie“ des US-Präsidenten ebenso enthüllt wie die Machtlosigkeit des US-Militärs, das Mullah-Regime in die Knie zu zwingen, so die Journalistin weiter. Die Rhetorik Trumps, der davon gesprochen hatte, „eine ganze Zivilisation auszulöschen“, nannte sie „genozidal“ – und warnte ausdrücklich vor Entwarnung. Dem US-Präsidenten attestierte sie Ungeduld, Hybris und eine Fehlkalkulation.

Auf Markus Lanz’ Frage, wer ihn zu dieser Fehlkalkulation getrieben habe, vermutete sie, dass wahrscheinlich der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu ihm aus Eigennutz vermittelt habe, der Iran sei schnell zu schlagen. US-Vizepräsident JD Vance, ein Gegner des Angriffs, sei bei den Gesprächen mit den Israelis nicht dabei gewesen, ergänzte Daniel Gerlach. Er verwies darauf, dass nun ausgerechnet der unerfahrene Vance zusammen mit dem gescheiterten Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner für die USA die anstehenden Verhandlungen in Islamabad führen soll.

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