Zinsen rauf oder runter?

US-Notenbank vor historischer Entscheidung


12.03.2026 – 13:08 UhrLesedauer: 4 Min.

Ungewisse Zeiten für Jerome Powell: In der Vergangenheit konnte der US-Notenbank-Chef häufig einstimmige Beschlüsse präsentieren, zuletzt nicht mehr. (Quelle: Jacquelyn Martin/AP/dpa/dpa-bilder)

Der Iran-Krieg treibt Energiepreise und Inflation – während der US-Arbeitsmarkt erste Schwächesignale sendet. Für die Fed wird jede Zinsentscheidung plötzlich zum Risiko.

Der Krieg im Nahen Osten droht, die Inflation in den USA erneut anzuheizen. Die Teuerungsrate lag im Februar zwar weiterhin bei 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit auf dem Niveau vom Januar. Doch der stark gestiegene Ölpreis infolge des Iran-Kriegs könnte die Preise in den kommenden Monaten deutlich nach oben treiben.

Gleichzeitig schwächelt die Wirtschaft. Im Februar gingen 92.000 Jobs verloren, die Arbeitslosenquote stieg. Für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird die Lage damit komplizierter. Die Zentralbank entscheidet über den sogenannten Leitzins – also den Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Notenbank leihen können. Dieser beeinflusst Kredite, Investitionen und Konsum.

Doch was soll die Fed jetzt tun: Die Zinsen erhöhen und eine schwächelnde Wirtschaft weiter bremsen – oder sie senken und riskieren, dass die Inflation außer Kontrolle gerät?

Noch wirkt die Inflation relativ stabil. Die sogenannte Kerninflation – also die Preisentwicklung ohne Energie und Lebensmittel – lag zuletzt bei 2,5 Prozent. Doch Experten rechnen mit steigenden Preisen.

Der Grund: Der Iran hat die Straße von Hormus für geschlossen erklärt. Diese Meerenge ist eines der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Ölhandels. Die Folgen zeigen sich bereits an den Zapfsäulen. „Im landesweiten Durchschnitt sind die Benzinpreise an US-Tankstellen um knapp 15 Prozent gestiegen“, sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank.

Da Motorkraftstoffe rund drei Prozent im Warenkorb der Verbraucher ausmachen, erhöht allein dieser Effekt die Inflationsrate um etwa 0,4 Prozentpunkte. Analyst Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg warnt: „Es steht zu befürchten, dass die Inflationsrate angesichts der Preissprünge bei Rohöl und Gas im Frühjahr über die Marke von drei Prozent klettern wird.“

Die Folgen des Konflikts betreffen nicht nur Energie. Auch wichtige Rohstoffe für die Landwirtschaft werden teurer. Jens Klatt, Marktanalyst beim Onlinebroker XTB, verweist auf stark gestiegene Preise für Düngemittelrohstoffe.

Der Preis für Urea – ein zentraler Bestandteil von Stickstoffdünger – stieg von etwa 470 auf bis zu 700 Dollar pro Tonne. Auch Schwefel verteuerte sich deutlich. „Wenn Lieferketten für Urea und Schwefel unterbrochen werden, steigen die Preise schnell – und das wirkt sich direkt auf die Kosten der Lebensmittelproduktion aus“, erklärt Klatt.

Für Verbraucher könnte sich das erst später bemerkbar machen. Denn steigende Düngerkosten schlagen meist erst Monate später auf die Lebensmittelpreise durch. „Sollte der Konflikt länger andauern, könnten wir in sechs bis zwölf Monaten eine neue Welle steigender Lebensmittelpreise sehen“, sagt Klatt. Global seien Preissteigerungen von 10 bis 30 Prozent denkbar.

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