Klingbeil lehnt Vorschlag ab
Streit um Bürgergeldempfänger in den Krankenkassen eskaliert
11.04.2026 – 16:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Sollten die Gesundheitskosten im Bürgergeld ganz aus Steuermitteln finanziert werden? Der Finanzminister sagt Nein und erntet Widerspruch.
SPD-Chef Lars Klingbeil stemmt sich dagegen, die Krankenkassenbeiträge von Bürgergeldempfängern künftig komplett aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Die Gesundheitskosten im Bürgergeld ganz aus Steuermitteln statt über Sozialbeiträge zu bezahlen, würde rund zwölf Milliarden kosten, sagte der Bundesfinanzminister der „Süddeutschen Zeitung“.
Er habe zwar an sich nichts dagegen, doch der Haushalt habe jetzt schon Lücken, so Klingbeil. „Die werden nicht kleiner, wenn wir noch mehr Geld herausnehmen.“ Der Vorschlag der Expertenkommission zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherungen sei daher keine echte Entlastung, sondern eine „Milchmädchenrechnung“. „Es bringt nichts, Lücken von A nach B zu schieben. Wir müssen die generell schließen“, sagte der Finanzminister.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach sieht dagegen den Bund in der Pflicht. „Die Übernahme dieser Beiträge ist ein wichtiger Hebel, um die Gesetzliche Krankenversicherung zu entlasten und ihre Finanzen nachhaltig zu sichern. Von einer Milchmädchenrechnung zu sprechen, verkennt die Realität“, sagte die CSU-Politikerin in München. Versicherungsfremde Leistungen gehörten aus Steuermitteln finanziert, nicht aus Beiträgen der Versicherten.
Um ein Milliardenloch bei den Krankenkassen zu stopfen und noch höhere Beiträge zu vermeiden, hat die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission eine Liste von 66 Empfehlungen erarbeitet. Die Finanzierung der Beiträge von Bürgergeldempfängern aus Steuermitteln ist der Vorschlag mit dem größten Einsparvolumen. Allein dadurch könnte die gesetzliche Krankenversicherung nach Ansicht der Experten um zwölf Milliarden Euro ab 2027 entlastet werden. Klingbeil hatte sich schon Anfang Februar gegen eine solche Lösung gestellt. So ein Vorschlag sei „ein Verschiebebahnhof, aber keine Strukturreform“, sagte der SPD-Chef damals.
Die gesetzlichen Krankenkassen widersprachen dem Finanzminister. „Es ist eine grobe soziale Ungerechtigkeit, die gesundheitliche Versorgung von Bürgergeldbeziehern vor allem von den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen finanzieren zu lassen, statt diese staatliche Sozialleistung durch den Bund und damit über alle Steuerzahlenden zu finanzieren“, sagte der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz.
„Es ist nicht egal, woher das Geld kommt“, betonte Lanz. Wenn die Krankenkassen diese staatliche Sozialleistung bezahlten, dann zahlten nur die 58 Millionen Mitglieder und deren Arbeitgeber bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze. Damit würden Privatversicherte, Beamte und Besserverdienende bevorteilt. Sozial gerechter und rechtlich einwandfrei wäre es daher, diese staatliche Sozialleistung aus Steuermitteln zu finanzieren.
